2.10.2026 – Wer derzeit am beliebten Spazier- und Radweg am Grünfleck bei Vielitz unterwegs ist, kann erahnen, dass dort eine außergewöhnliche Maßnahme bevorsteht. Ein rund 160 Meter hoher Raupenkran wurde montiert. Der Grund für den außergewöhnlichen Aufwand liegt 140 Meter über dem Boden: An der Windkraftanlage 1 muss das Hauptlager ausgetauscht werden.
Wenn Metallabrieb zum Warnsignal wird
„Bei einer der regelmäßigen technischen Untersuchungen unserer Windkraftanlage wurde Metallabrieb am Hauptlager festgestellt. Die Werte lagen noch innerhalb der zulässigen Toleranzen, sodass die Anlage weiterhin betrieben werden konnte. Um einen späteren größeren Schaden zu vermeiden und die langfristige Betriebssicherheit der Anlage zu gewährleisten, wird nun der Austausch des Hauptlagers vorgenommen“, erklärt Mathias Jakob, Geschäftsführer der Energieversorgung Selb-Marktredwitz GmbH (ESM) und der Windpark Vielitz Verwaltungs-GmbH. Das Hauptlager gehört zu den zentralen Bauteilen einer Windkraftanlage. Es befindet sich im Inneren der Gondel, trägt den mehrere Tonnen schweren Rotor mit Nabe und Rotorblättern. Gleichzeitig nimmt es die enormen Kräfte auf, die durch Wind und die Bewegung der Rotorblätter entstehen und sorgt dafür, dass sich der Rotor zuverlässig und gleichmäßig drehen kann. Die dabei entstehende Drehbewegung wird über den Antriebsstrang an den Generator weitergegeben, der daraus Strom erzeugt.
Präzisionsarbeit in 140 Metern Höhe
Ein Großkran ist direkt neben der Windkraftanlage aufgebaut worden. Jetzt beginnt die eigentliche „Windrad-OP“. „Die Arbeiten selbst hängen stark von den Wetter- und insbesondere den Windverhältnissen ab. Zunächst müssen die drei Rotorblätter von der Nabe abgebaut und einzeln sicher auf dem Boden abgelegt werden. Anschließend werden die für den Austausch erforderlichen Komponenten aus der Gondel demontiert und mit dem Kran zu Boden gehoben. Dort kann das Hauptlager ersetzt werden“, erläutert Christoph Broßmann, Projektleiter des Windparks bei der ESM. Nach dem Austausch beginnt der umgekehrte Weg: Die Bauteile werden wieder in rund 140 Meter Höhe gehoben, in der Gondel montiert und angeschlossen. Für die eigentlichen Reparaturarbeiten sind – abhängig von den Wetterbedingungen – rund eine Woche geplant. Danach wird der Raupenkran wieder abgebaut und die Windkraftanlage kann ihren Betrieb wieder aufnehmen.
Vorsorge zahlt sich aus
Eine Reparatur dieser Größenordnung ist mit erheblichen Kosten verbunden. Dass diese nicht von der Windparkgesellschaft selbst getragen werden müssen, ist auf eine Entscheidung zurückzuführen, die bereits vor der Inbetriebnahme des Windparks getroffen wurde. „Schon damals wurde sich bewusst für einen Vollwartungsvertrag entschieden. Dieser umfasst neben der regelmäßigen Wartung auch umfangreichere Reparaturen und den Austausch von Komponenten wie dem Hauptlager. Eine solche Großreparatur zeigt, wie wichtig es war, diese langfristige Absicherung von Anfang an mitzudenken“, so Jakob. Fast genau zehn Jahre ist der Windpark Vielitz inzwischen in Betrieb. Die vier Windkraftanlagen haben in dieser Zeit rund 217 Millionen Kilowattstunden regenerativen Strom erzeugt und in das Versorgungsnetz eingespeist. Über die bisherige Laufzeit entspricht diese Strommenge dem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch von mehr als 70.000 Haushalten. Nach erfolgreichem Austausch des Hauptlagers heißt es dann wieder: Rotorblätter drehen sich, Generator läuft – und aus Wind wird Strom.
selb-live.de – Presseinfo ESM


