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beaucouze selb 0526228.5.2026 – Herzhaftes Lachen, freundschaftliche Umarmungen, Gespräche auf Deutsch, Französisch, Englisch, in Kauderwelsch oder mit Händen und Füßen, Tanzen zu Partymusik, Festumzug mit Marschmusik, Besichtigungen und Tourismus, Festreden, Spieleabend, Sport…. wann gibt es das alles zuhauf?

Wenn sich sage und schreibe 130 Selberinnen und Selber, darunter 53 Kinder und Jugendliche, mit zwei Reisebussen und zahlreichen Privatautos für fünf Tage über Christi Himmelfahrt auf den Weg in die französische Partnerstadt machen, dann ahnt man: Der Grund für ein derartig großes Aufgebot muss ein besonderer sein!

Anlass für ein fulminantes Programm waren die Feierlichkeiten zu 25 Jahren Städtepartnerschaft zwischen Selb und Beaucouzé. Mehr Menschen denn je wurden in die Begegnung einbezogen: Zusammen mit den beiden federführenden Organisatoren, der Stadt Beaucouzé und dem dortigen Partnerschaftskomitee, hatten das Jugend- und Gemeinschaftshaus, das Festkomitee sowie mehrere Sportvereine vielfältige und umfangreiche Aktivitäten auf die Beine gestellt, zu denen teilweise sogar die gesamte Bevölkerung von Beaucouzé mit eingeladen war. Auf Wunsch von französischer Seite umrahmte der Selber Spielmanns- und Fanfarenzug die offiziellen Teile feierlich: Bei zwei Standkonzerten und einem kleinen Festumzug durchs Zentrum von Beaucouzé spielten die Musikanten die typische Marschmusik, die man in Selb vor allem mit dem Wiesenfest in Verbindung bringt. Ebenfalls mit von der Partie waren die Rockapittis, eine vierköpfige Coverband, die der Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) Selb gefolgt war, in Beaucouzé mehrfach für Partystimmung sorgte und viel Begeisterung erntete. In beiden Musikensembles, vor allem aber im zweiten Bus, einem voll besetzten Doppeldecker, waren insgesamt 42 Schülerinnen und Schüler des Walter-Gropius-Gymnasiums dabei – eine absolute Rekordzahl. Dieses große Interesse von Jugendlichen ließ alle Verantwortlichen strahlen: Die Zukunft der Städtepartnerschaft, der deutsch-französischen Freundschaft auf lokaler Ebene, scheint gesichert!

Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch sowie zwei weitere Vertreter des Stadtrates, Klaus von Stetten und Walter Wejmelka, bildeten die offizielle Delegation aus Selb. Gleich zwei Festakte standen auf dem Programm: Zum einen wurde eine frisch gepflanzte Linde im Stadtpark von Beaucouzé zum Baum der Freundschaft geweiht. Eine Gedenktafel erinnert dort von nun an an die 25 Jahre Städtepartnerschaft. Zum anderen wurde der Abschiedsabend mit einem Reigen von Reden eröffnet, bei dem die Bedeutung einer solchen Städtepartnerschaft für den Frieden und die Freundschaft in Europa von allen Rednern hervorgehoben wurde. Als Urgestein der Städtepartnerschaft hielt die frühere Bürgermeisterin von Beaucouzé, Anne Cordier, eine sehr bewegende Rede, in die sie an die Anfänge erinnerte und sich persönlich bei Thomas Storch, dem früheren Vorsitzenden der DFG Selb, für seine Initiative zur Anbahnung erster Kontakte Anfang der 1990er Jahre bedankte. Beide Oberbürgermeister, Ulrich Pötzsch sowie der neu gewählte Marc Pierrot, unterstrichen die Bedeutung der Städtepartnerschaft für Selb und Beaucouzé und sicherten ihr auch für die Zukunft ihre volle Unterstützung zu. Die Vorsitzenden der Vereine auf beiden Seiten, die sich um die Organisation und Durchführung der jeweiligen Besuche kümmern, bedankten sich bei den vielen Helfenden und zahlreichen Ehrenamtlichen: Für die Franzosen sprachen Sylvie Gaborieau, die langjährige Vorsitzende des Partnerschaftskomitees, und Maryvonne Kerisit, an die sie vor kurzem den Stab übergeben hat. Christine Wlasak-Feik, Vorsitzende der DFG Selb, richtete ihren Dank auch ganz speziell an all die 50 Gastfamilien, darunter viele neu hinzugekommene, die es ermöglichten, dass eine so große Anzahl von Deutschen ein paar Tage in die französische Lebensart hineinschnuppern konnte. Denn das ist das Besondere an der Städtepartnerschaft zwischen Selb und Beaucouzé: Die Unterbringung erfolgt immer direkt in Familien, was schon viele langjährige Freundschaften entstehen ließ. Der Kreis erweitert sich ständig; es gibt inzwischen ein richtiggehendes Netz, die Atmosphäre der Begegnungen ist herzlich, familiär und locker.

Neben all den hochoffiziellen Festakten gab es wie immer auch ein reichhaltiges Freizeit- und Besichtigungsprogramm. Besonders gut kam dabei der Tagesausflug in die Loire-Gegend bei Saumur an. Man besuchte Europas größte Klosteranlage, die Abtei Fontevraud. Dieser beeindruckende Gebäudekomplex, gegründet um 1100, war ein damals unerhörtes beaucouze selb 05262Doppelkloster von Männern und Frauen unter der Leitung einer Äbtissin und wurde zur Grablege des Geschlechts der Plantagenets. In der vorwiegend romanischen Klosterkirche beeindrucken die Grabmäler von Heinrich II. von England, Richard Löwenherz, Isabella von Angoulême und Eleonore von Aquitanien, eine der einflussreichsten und schillerndsten Figuren des Mittelalters. Nach der Französischen Revolution bis in die 1960er Jahre wurde der Ort zu einem der härtesten Gefängnisse Frankreichs; heute ist er UNESCO-Weltkulturerbe. Nach einem Picknick im Klosterpark ging es weiter zu einem der für diese Gegend typischen Troglodytendörfer. Dies sind Dörfer, die aus den Höhlen entstanden sind, die in den Tuffstein gehauen wurden, um Baumaterial für die Loire-Schlösser zu gewinnen. Heute sind die Höhlen bewohnt oder in Gastwirtschaften und Geschäfte umgewandelt und laden zu einem Bummel ein.

Neben diesem beeindruckenden Ausflug, dessen Heimfahrt durch das wunderschöne, malerische Loire-Tal führte, wurden für die teilnehmenden Jugendlichen einige Extra-Aktivitäten geboten, nämlich ein Spieleabend sowie ein generationsübergreifender Brunch im Jugendhaus Domino. Diese Veranstaltungen kamen sehr gut an. Alle Teilnehmenden, Jung und Alt, waren am Samstagnachmittag zu Schnuppertrainings eingeladen. Auf dem riesigen Sportgelände von Beaucouzé konnte man sich im Judo, Tischtennis, beim Billard oder – typisch französisch – beim Pétanque ausprobieren. Auf diesem Gelände gibt es seit kurzem auch ein extra zum Anlass des Städtepartnerschaftsjubiläums angebrachtes Wandgemälde des lokalen Street-Artisten BoteroPoP zu bewundern: Es zeigt in Anspielung an Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ eines der typischen Strichmännchen des Künstlers unter einem Regenbogen und hat die Namen der beiden Städte zum herrlichen Kofferwort „Beaucouselb“ verschmolzen.

Besonders groß war die Freude, als am Abschlussabend verkündet werden konnte, dass neben dem Gegenbesuch der Franzosen in Selb, der wie jedes ungerade Jahr über Christi Himmelfahrt erwartet wird, auch der seit ein paar Jahren ausgesetzte Schüleraustausch wieder aufgenommen werden wird: Der Personalmangel am Collège Rabelais hat ein Ende; die dortige neue Deutschlehrerin wird zudem ein zweites Collège in den Austausch mit einbeziehen, sodass bereits für das Schuljahr 2026/27 wieder eine Begegnung mit dem Walter-Gropius-Gymnasium und der Realschule Selb organisiert werden kann. Eine lebendige, zukunftsträchtige Partnerschaft auf allen Ebenen und über Landesgrenzen hinweg – heute wichtiger denn je!

beaucouze selb 05261selb-live.de – Presseinfo DFG Selb

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