11.8.2026 – Wenn die Temperaturen steigen, denken die meisten Menschen zunächst an die Belastungen für Mensch, Natur und Landwirtschaft. Doch auch die Abwasserreinigung bleibt von den Auswirkungen langanhaltender Hitze- und Trockenperioden nicht unberührt. Höhere Abwassertemperaturen, geringere Wasserstände in Gewässern und veränderte biologische Prozesse stellen die Mitarbeitenden der Kläranlage zunehmend vor Herausforderungen.
Hitze macht auch vor Kläranlagen nicht Halt
Rund 18.500 Einwohnerinnen und Einwohner sind an die Kläranlage in Selb angeschlossen. Jährlich werden hier etwa 3,3 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt. Damit könnte man das Selber Hallenbad über 3.000-mal befüllen. Damit die Reinigung zuverlässig funktioniert, kümmern sich acht Mitarbeitende im Klärwerk um den Betrieb der Anlage. Weitere vier Mitarbeitende sorgen dafür, dass das 136 Kilometer lange Kanalnetz jederzeit zuverlässig funktioniert. „Viele Bürgerinnen und Bürger wissen gar nicht, wie viel Technik und biologische Prozesse hinter einer funktionierenden Abwasserreinigung stehen“, erklärt Kläranlagenleiterin Daniela Fröber. „Das Herzstück unserer Anlage sind Milliarden von Mikroorganismen, die Schadstoffe aus dem Abwasser abbauen. Diese reagieren durchaus auf Veränderungen der Temperatur.“
Milliarden Mikroorganismen halten das System am Laufen
Milliarden Mikroorganismen halten das System am Laufen Steigende Temperaturen führen dazu, dass sich auch das Abwasser erwärmt. Gleichzeitig kann warmes Wasser weniger Sauerstoff speichern als kaltes Wasser. „Die Mikroorganismen benötigen jedoch ausreichend Sauerstoff, um ihre
Reinigungsleistung zu erbringen. An heißen Tagen müssen wir die Prozesse deshalb besonders aufmerksam überwachen und steuern“, so Fröber. Neben der eigentlichen Reinigungsleistung spielt auch die Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Eine optimale Steuerung der biologischen Prozesse sorgt dafür, dass die Anlage auch unter schwierigen Bedingungen wirtschaftlich und zuverlässig betrieben werden kann.
Trockenheit verändert die Abwasserreinigung
Auch Trockenperioden wirken sich auf die Arbeit der Kläranlage aus. Wenn über längere Zeit kein Regen fällt, gelangt weniger Fremd- und Regenwasser in die Kanalisation. Dadurch nimmt die Abwassermenge ab, während die Konzentration der enthaltenen Stoffe steigt. „Für uns bedeutet das nicht automatisch weniger Aufwand“, erläutert AWS-Werkleiter und Geschäftsführer der Energieversorgung Selb-Marktredwitz (ESM), Mathias Jakob. „Die Schmutzfracht bleibt weitgehend gleich und muss weiterhin zuverlässig gereinigt werden. Gleichzeitig beobachten wir die Entwicklung in den Gewässern sehr genau“, so Jakob. Die Verdunstung aus den Reinigungsbecken der Kläranlage spielt dabei zwar eine Rolle,
Jeder Tropfen zählt für den Gewässerschutz
Besonders während längerer Trockenphasen führen Gewässer oft deutlich weniger Wasser. Gleichzeitig steigen die Wassertemperaturen. Dadurch können sie gereinigtes Abwasser schlechter verdünnen und reagieren empfindlicher auf Belastungen. „Der Klimawandel macht sich zunehmend auch in der Wasserwirtschaft bemerkbar. Unsere Aufgabe ist es, die Abwasserreinigung dauerhaft auf einem hohen Niveau sicherzustellen. Dafür investieren wir kontinuierlich in moderne Technik, eine effiziente Prozesssteuerung und die Qualifizierung unserer Mitarbeitenden“, betont Jakob. Für die Bürgerinnen und Bürger bleibt die Arbeit der Kläranlage meist unsichtbar. Dennoch leistet sie täglich einen wichtigen Beitrag zum Gewässer- und Umweltschutz. Gerade in Zeiten zunehmender Wetterextreme zeigt sich, wie wichtig eine leistungsfähige und zukunftssichere Abwasserinfrastruktur für die Region ist.
selb-live.de – Presseinfo AWS


