17.7.2026 – Mit der Eröffnung der diesjährigen „Wochen des Weißen Goldes“ endet am Samstagabend eine besondere Amtszeit. Nach einem Jahr wird Porzellankönigin Sarah I. ihre Krone an ihre Nachfolgerin weiterreichen. Zuvor steht für die 23-Jährige noch ein letzter offizieller Termin auf dem Programm: Tagsüber wird sie in Erbendorf noch einmal die Porzellanstraße repräsentieren, ehe sie wenige Stunden später im Rosenthal-Theater Abschied von einem Amt nimmt, das ihr unzählige unvergessliche Erlebnisse beschert hat.
Für Sarah Caran endet damit nicht nur ein Ehrenamt. Es geht ein Jahr voller Begegnungen, Reisen, Veranstaltungen und bleibender Erinnerungen zu Ende. Ein Jahr, in dem sie eindrucksvoll bewiesen hat, dass die Porzellanstraße Menschen weit über Grenzen hinweg verbindet.
Die erste Porzellankönigin aus Tschechien
Als Sarah I. vor einem Jahr zur Porzellankönigin gekrönt wurde, war dies ein Novum in der mittlerweile über zwei Jahrzehnte langen Geschichte des Amtes. Seit 2003 wird die Porzellankönigin vom Verein Porzellanstraße gewählt. Bislang stammten die Amtsinhaberinnen stets aus Selb oder der Region. Sarah hingegen kommt aus der unmittelbar benachbarten tschechischen Stadt Aš (Asch) und schrieb damit Geschichte.
Dass ausgerechnet eine Tschechin die Porzellanstraße repräsentiert, passte allerdings hervorragend zur Idee der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, für die die Porzellanstraße seit vielen Jahren steht. Sarah sprach von Beginn an akzentfrei Deutsch, schließlich wuchs sie zweisprachig auf. Ihre Mutter ist Tschechin, ihr Vater Deutscher. Beide Kulturen gehören für sie ganz selbstverständlich zusammen.
Die Begeisterung für Porzellan kam nicht von ungefähr
Der Bezug zum Thema Porzellan entwickelte sich schon früh. Ihre Mutter arbeitet unter anderem als Fachbereichsleitung für die Abteilung Sprachen an der Volkhochschule Fichtelgebirge und hat einige Führungen im Porzellanikon übersetzt. Dadurch kam auch Sarah immer wieder mit der Geschichte und Bedeutung des "Weißen Goldes" in Berührung.
Sie begann, sich selbst intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen, las viel über die Porzellanindustrie und verfolgte auch die Auftritte der Porzellanköniginnen. Irgendwann reifte in ihr der Wunsch, dieses besondere Ehrenamt selbst einmal auszuüben. Als sie schließlich den Bewerbungsaufruf des Vereins Porzellanstraße entdeckte, zögerte sie nicht lange und bewarb sich aus eigener Initiative.
Nervös zum Auswahlgespräch – und am Ende die Wunschkandidatin
Natürlich sei sie vor dem Auswahlgespräch nervös gewesen, erinnert sich Sarah heute. Doch bereits während des persönlichen Gesprächs mit dem Verantwortlichen des Vereins sei die Aufregung schnell verflogen. Die Atmosphäre sei offen und herzlich gewesen. Offenbar überzeugte sie schnell. Wenig später stand fest: Sarah wird die neue Porzellankönigin.
Die Freude war riesig. Gleichzeitig musste sie das Geheimnis zunächst für sich behalten. Erst später weihte sie ihre Mutter ein, die sich von Herzen mit ihrer Tochter freute und stolz auf sie war.
Von der Kleiderprobe bis zur Krönung
Mit der Wahl begann eine intensive Vorbereitungszeit. Gemeinsam mit dem Hofer Brautmodengeschäft Le Mariage, einem langjährigen Unterstützer der Porzellankönigin, wurde das festliche Kleid ausgesucht. Auch eine passende Armbanduhr und weitere Accessoires gehörten zur Ausstattung. Es folgten ein Fotoshooting und weitere Vorbereitungen auf den großen Abend.
Als schließlich die Krönung im Rosenthal-Theater bevorstand, schlug ihr Herz erneut schneller. „Natürlich war ich unglaublich aufgeregt“, blickt Sarah zurück. „Aber in dem Moment, als mir die Krone aufgesetzt wurde, überwog einfach nur die Freude.“
Mit einem Schlag stand sie im Mittelpunkt des Interesses. Noch im Foyer wollten zahlreiche Gäste Erinnerungsfotos mit der neuen Porzellankönigin machen. Für Sarah war diese Aufmerksamkeit zunächst ungewohnt. „Ich war es überhaupt nicht gewohnt, dass fremde Menschen Fotos mit mir machen möchten. Aber ich habe mich über jede einzelne Begegnung gefreut.“
Gleich der erste große Auftritt
Viel Zeit zum Durchatmen blieb nicht. Bereits einen Tag nach ihrer Krönung stand mit dem Festzug beim Wiesenfest in Hohenberg an der Eger der erste offizielle Termin an. Es war zugleich der Auftakt eines außergewöhnlich abwechslungsreichen Jahres. Mehr als 40 Veranstaltungen absolvierte Sarah I. während ihrer Amtszeit. Sie repräsentierte die Porzellanstraße bei Ausstellungen, Festen, Messen, und zahlreichen offiziellen Veranstaltungen in Bayern und darüber hinaus. Überall war sie Botschafterin für die traditionsreiche Porzellanregion.
Lampenfieber vor dem Porzellinerfest
Einer der ersten Höhepunkte war das Selber Porzellinerfest. Obwohl sie mittlerweile bereits erste Erfahrungen gesammelt hatte, sei sie vor ihrem Auftritt durchaus aufgeregt gewesen. Denn diesmal stand sie nicht nur auf der großen Bühne, sondern richtete auch einige Worte an das Publikum – selbstverständlich auf Deutsch. Die Aufgabe meisterte sie souverän.
Anschließend war sie während des gesamten Festes sehr gefragt. Zahlreiche Besucher wollten Erinnerungsfotos mit der Porzellankönigin machen oder sich eine ihrer Autogrammkarten unterschreiben lassen. Für diesen Moment hatte Sarah sogar eigens ihre Unterschrift geübt. „Es war schon ein seltsames Gefühl, plötzlich Autogrammkarten von sich selbst zu unterschreiben“, erzählt sie mit einem Lächeln.
Überhaupt änderte sich ihr Alltag in kurzer Zeit erheblich. Immer wieder begegnete sie ihrem eigenen Bild. Ob auf Autogrammkarten, auf Plakaten oder sogar auf der Titelseite des Magazins „Selbstportrait“. Als Porzellankönigin wurde sie zum Gesicht der Porzellanstraße. Auch Familie und Freunde verfolgten ihre Auftritte mit großer Begeisterung. Selbst in ihrer Heimatstadt Aš berichteten die Medien über die erste tschechische Porzellankönigin.
Beruf, Ehrenamt und Leidenschaft
Hauptberuflich absolviert Sarah derzeit bei DERTOUR in Selb ihre Ausbildung zur Tourismuskauffrau. Zuvor hatte sie bereits eine Ausbildung an der Medizinischen Berufsfachschule in Bad Elster abgeschlossen. Dass ihr Arbeitgeber das Ehrenamt jederzeit unterstützte und ihr die Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen ermöglichte, weiß sie sehr zu schätzen. „Ohne diese Unterstützung wäre vieles nicht möglich gewesen.“
Auch privat ist sie seit Jahren eng mit der Region verbunden. Sie ist Mitglied bei den Angelfreunden Blumenthal sowie in der Schützengesellschaft Münchberg. Zu ihren Hobbys zählen außerdem Lesen und Fitness.
Unzählige Begegnungen und bleibende Erinnerungen
Was Sarah am meisten in Erinnerung bleiben wird, sind nicht einzelne Termine, sondern die vielen Begegnungen. Überall lernte sie Menschen kennen, führte interessante Gespräche und erlebte große Wertschätzung für das Ehrenamt der Porzellankönigin. „Man trifft unglaublich viele herzliche Menschen. Jede Veranstaltung war auf ihre Art etwas Besonderes.“
Zu den Höhepunkten zählt sie unter anderem den Besuch der Internationalen Grünen Woche in Berlin, zahlreiche Veranstaltungen entlang der Porzellanstraße und viele weitere Termine. Den emotionalsten Abschluss ihrer Amtszeit bildete jedoch jüngst das Selber Wiesenfest. Schon oft hatte sie das größte Heimatfest der Stadt als Besucherin erlebt. Den Blick vom Balkon zum traditionellen Abschluss kannte sie bislang nur von unten. Diesmal durfte sie selbst Teil dieser besonderen Momente sein. „Das werde ich nie vergessen“, sagt sie.
Ein Ehrenamt mit besonderer Bedeutung
Die Porzellankönigin ist weit mehr als eine repräsentative Figur. Seit über 20 Jahren wirbt sie für die Porzellanstraße, deren Geschichte und ihre Unternehmen. Sie steht für eine traditionsreiche Branche, die die Region bis heute prägt, und ist zugleich Botschafterin für Kultur, Tourismus und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Sarah I. hat dieses Amt mit großer Natürlichkeit, Offenheit und Herzlichkeit ausgefüllt. Dass sie als erste Amtsinhaberin aus dem benachbarten Tschechien kam, verlieh ihrer Amtszeit zusätzlich eine besondere Symbolkraft. Sie zeigte eindrucksvoll, dass das gemeinsame Kulturerbe des Porzellans keine Grenzen kennt.
Ein Rat an ihre Nachfolgerin
Wenn Sarah am Samstagabend die Krone weiterreicht, wird sie dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge tun. Für ihre Nachfolgerin hat sie einen einfachen, aber wichtigen Rat: „Nimm alles mit, was möglich ist. Genieße jeden Termin, jede Begegnung und jeden besonderen Moment. Dieses Jahr vergeht unglaublich schnell, aber die Erinnerungen daran bleiben für immer.“
Mit diesen Erinnerungen endet für Sarah I. zwar die Amtszeit als Porzellankönigin. Die Erfahrungen, Freundschaften und Erlebnisse dieses außergewöhnlichen Jahres werden sie jedoch weit über den Samstag hinaus begleiten.
selb-live.de - Michael Sporer


