18.4.2026 – Selb-Erkersreuth. „Fünf der acht Milliarden Menschen auf Erden leben in Ländern, in denen die freie Religionsausübung nicht gewährleistet ist. Dabei ist Religionsfreiheit ein Menschenrecht, kein Privileg.“ Auf diesen Nenner brachte der Experte Stefan Stein von der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ jüngst seinen aufrüttelnden Vortrag zum Thema „Christen weltweit verfolgt“ in der Kirche Zum Guten Hirten in Erkersreuth, der gleichzeitig den Schlusspunkt für die dortige Ausstellung zum Thema setzte.
Stein erläuterte bei der ökumenischen Veranstaltung auf Einladung der Kirchengemeinde Erkersreuth und der Pfarreiengemeinschaft Herz Jesu und Heilig Geist Hintergründe der weltweiten Christenverfolgungen und beleuchtete konkrete Länderbeispiele.
Laut Stein gibt es drei Gründe für die aktuellen Christenverfolgungen weltweit, bei denen staatliche oder radikale religiöse Gruppen als Akteure handelten. „Radikale und gewalttätige islamistische Bewegungen breiten sich immer weiter aus und gewinnen immer mehr an Einfluss wie etwa der ‚Islamische Staat‘, Boko Haram und al-Shaabab. Zudem haben religiös-nationalistische Bewegungen enormen Zulauf und wollen in ihrem Land keine andere Religion dulden als die eigene. Dazu zählen militante Hindus in Indien. Außerdem unterdrücken in manchen Staaten totalitäre Regierungssysteme jede religiöse Gruppierung, die das staatliche Machtmonopol gefährdet wie in Nordkorea und China.“
Stein nannte Beispiele. So wurden allein in Burkina Faso in Afrika 2025 846 Menschen bei 59 Terroranschlägen getötet, seit 2007 waren es über 7800. „Über 80 Prozent der Anschläge gingen auf das Konto der Dschihadistenmiliz JNIM. Zirka 70 Prozent des Landes sind nicht mehr unter Kontrolle burkinischer Streitkräfte. Über zwei Millionen Menschen sind gewaltsam vertrieben worden.“
Katholische Priester und Bischöfe hätten bei „Kirche in Not“ berichtet: „Bevor wir zu pastoralen Einsätzen aufbrechen, beten wir intensiv und empfangen die Sakramente für den Fall, dass wir nicht mehr zurückkehren. Viele Gläubige verfolgen die heilige Messe über das Radio, weil es zu gefährlich ist, die Pfarrkirche zu besuchen. Katholische Krankenschwestern verkleiden sich als muslimische Frauen, um in den von Dschihadisten besetzten Gebieten Leben zu retten und Kranke zu versorgen.“ Seit 2015 wurden über 2000 Schulen geschlossen oder von den Terroristen in Koranschulen umgewandelt.
Noch schlimmer sei die Lage in Nigeria, das etwa dreimal größer ist als Deutschland und rund 230 Millionen Einwohner hat. 46,2 Prozent der Bevölkerung seien Christen, 45,9 Prozent Muslime. Stein zur Lage dort: „Es herrscht die Scharia in einigen Landesteilen, es gibt Terror durch Boko Haram, Fulani und die Gruppe ‚Islamischer Staat Westliche Afrika-Provinz‘.“
Allein im Bistum Maiduguri im Nordosten Nigerias, der Ursprungsregion der Terrorgruppe Boko Haram, seien seit 2009 schätzungsweise 20.000 Menschen getötet und mehr als zwei Millionen vertrieben worden. Von 279 entführten Christen sind noch immer 100 vermisst. Kämpfer von Boko Haram haben über 200 Kirchen zerstört.“ Stein betonte, dass sich der Hass der Islamisten auch auf Muslime richte, die die radikale Interpretation des Koran und des Islam ablehnten. Auch gemäßigte Muslime zählten zu den Opfern der Extremisten. Dennoch
gebe es gerade im Bistum Maiduguri einen großen geistlichen Aufbruch. „Die Kirchen füllen sich wieder. Es gibt 1000 Taufen pro Jahr. Die Gottesdienste sind voll, die Gläubigen laufen dafür oft kilometerweit. Und auch das dortige Priesterseminar ist überfüllt.“ Bischof Dashe Doeme bewerte das mit den Worten: „Wenn die Kirche Verfolgung erlebt, wird der Glaube oft lebendiger.“
Auch kommunistische Diktaturen wie China und Nordkorea beleuchtete der Fachreferent von „Kirche in Not“. „Besonders besorgniserregend sind in China Gesetze, die den Religionsunterricht für Minderjährige verbieten und deren Teilnahme an Gottesdiensten einschränken. Da kann keine kirchliche Jugendarbeit stattfinden. Und die allgegenwärtige Überwachung durch Kameras mit Gesichtserkennung führt dazu, dass der Staat registriert, wer zu Gottesdiensten kommt.
In Nordkorea wiederum sei jede Form von religiöser Äußerung weiterhin streng verboten. Es wird absolute Loyalität zur Kim-Dynastie verlangt. Jeder Ausdruck religiöser Überzeugungen wird als Bedrohung der Staatsgewalt angesehen. Personen, bei denen religiöse Schriften gefunden werden oder die an nicht genehmigten religiösen Aktivitäten teilnehmen, müssen mit schweren Strafen wie Folter, lebenslanger Haft oder Hinrichtung rechnen.“
Pfarrer Dr. Jürgen Henkel zog als Fazit: „Unsere Ausstellung und dieser Vortrag sind ein kleiner Beitrag dazu, dass die Christenverfolgungen nicht völlig aus dem Blick geraten. Die Christen, Gemeinden und Kirchen in der Verfolgung brauchen unsere Fürbitte und unsere Solidarität.“ Der katholische Pfarrer Thomas Fischer sprach in seinem Grußwort von der „Ökumene der Märtyrer“ und meinte: „Es ist ermutigend zu sehen, wie lebendig und treu diese Gemeinden und Kirchen in der Verfolgung auch unter der alltäglichen Bedrohung ihren Glauben leben.“
selb-live.de – Presseinfo


