10.4.2026 – Mit dem Eröffnungsfilm „Born to Fake“ sind am Donnerstagabend die 49. Grenzland-Filmtage im Spektrum Selb offiziell gestartet. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher füllten bereits zum Auftakt die Kinosäle und sorgten für einen stimmungsvollen Beginn des traditionsreichen Festivals. Aus rund 850 Einreichungen wurden in diesem Jahr 80 Filme aus 30 Ländern ausgewählt. Bis einschließlich Sonntag erwartet das Publikum ein vielseitiges Programm aus Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilmen.
Kerstin Fröber, Vorsitzende des Vereins zur Förderung grenzüberschreitender Film- und Kinokultur e.V., dankte bei der Eröffnung allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die mit ihrem Engagement zum Gelingen des Festivals beitragen. Sie betonte zugleich, dass die Grenzland-Filmtage ihren Namen nicht nur tragen, sondern den grenzüberschreitenden Gedanken aktiv leben. Ein Teil des Festivals findet deshalb erneut im tschechischen Asch statt.
Auch Selbs Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch würdigte die Bedeutung der Grenzland-Filmtage für die Stadt. Das Festival sei seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Selb und gehöre „zum Herz der Stadt“. Besonders im Jubiläumsjahr „600 Jahre Stadtgeschichte“ nehme das Festival eine wichtige Rolle ein.
Pötzsch verwies zudem auf die enge Verbindung der Grenzland-Filmtage mit lokalen Projekten. So wurden in diesem Jahr historische Selber Filmaufnahmen digitalisiert und für das Publikum zugänglich gemacht. Sein Dank galt dabei insbesondere Dagmar Franke und ihrem Mann, die sich maßgeblich in die Aufarbeitung eingebracht haben.
Zugleich nutzte der Oberbürgermeister die Gelegenheit, um auf die städtebauliche Entwicklung rund um das Spektrum hinzuweisen. Gegenüber des Veranstaltungsortes entsteht derzeit unter anderem eine neue, barrierefreie Stadtbücherei mit rund 400 Quadratmetern Fläche. Gemeinsam mit dem Spektrum entwickle sich damit ein neues Bildungs- und Kulturquartier.
Für den tschechischen Partnerstandort Asch sprach der zweite Bürgermeister Pavel Matala den Organisatoren seinen Dank aus. Die Durchführung eines grenzüberschreitenden Festivals bedeute viel Arbeit und Engagement, sei jedoch für die deutsch-tschechische Grenzregion von großer Bedeutung.
Bereits vor dem offiziellen Festivalauftakt sorgte ein Kinderfilmblock für Begeisterung bei jungen Besucherinnen und Besuchern. Auch in den kommenden Tagen richtet sich das Programm an unterschiedliche Altersgruppen. Neben internationalen Langfilmen, Dokumentationen und Kurzfilmreihen gibt es spezielle Angebote für Kinder und Familien.
Eröffnet wurde das Festival mit dem Dokumentarfilm „Born to Fake“ von Erec Brehmer und Benjamin Rost. Der Film beleuchtet den Medienskandal um den Journalisten Michael Born, der in den 1990er Jahren mit gefälschten TV-Reportagen bekannt wurde. Bereits der Vorfilm „Paul Jannowski“ griff das Thema Wahrheit und Fiktion auf. In der Mockumentary erzählt Regisseur Björn „Beton“ Warns eine deutsch-deutsche Grenzgeschichte rund um einen DDR-Superstar, der sich als menschliche Kanonenkugel in die Freiheit schießen lässt.
Auch das diesjährige Festivalprogramm setzt auf hohe Internationalität und aktuelle Themen. So feiert der finnische Film „Postcards Without Names“ von Joona Ikonen seine Weltpremiere in Selb, während „AOSHO! Voices in Bloom“ von Kyoji Yamaguchi erstmals in Europa gezeigt wird. Mit „The Odyssey of Joy“ kehrt zudem Zgjim Terziqi, Gewinner des Selber Filmpreises für den besten osteuropäischen Film 2018, mit seinem Spielfilmdebüt zurück nach Selb.
Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Jahr auch zwei Filmen mit vietnamesischen Geschichten aus dem deutsch-tschechischen Grenzraum. „Lonig & Havendel“ von Claudia Tuyết Scheffel spielt im Erzgebirge, während „Summer School, 2001“ von Dužan Duong im tschechischen Cheb angesiedelt ist. Beide Filme thematisieren das Leben junger Vietnamesinnen und Vietnamesen zwischen verschiedenen Kulturen.
Darüber hinaus beschäftigt sich das Festival mit Themen wie Verlust, Krieg, Erinnerung, Identität und der verbindenden Kraft von Musik und Humor. Ein Kurzfilmprogramm rund um Künstliche Intelligenz wird am Freitagabend bei freiem Eintritt in der Festivalkneipe Jungbrunnen gezeigt.
Schon jetzt wurde zudem ein Ausblick auf das kommende Jahr gegeben: Zum 50-jährigen Jubiläum sollen die Grenzland-Filmtage verlängert werden. Geplant ist ein zusätzlicher Auftakt bereits am Mittwoch mit einer Veranstaltung im Rosenthal-Theater.
Alle Informationen zum Programm sind online auf der Website der Grenzland-Filmtage veröffentlicht.

selb-live.de – Michael Sporer



