28.1.2026 – Beim Jahresempfang der Kirchengemeinde Erkersreuth richtete sich der Blick nicht nur auf das abgelaufene Jahr 2025, sondern auch auf die kirchliche Zukunft, besonders im Blick auf die von der Landeskirche angestrebten Strukturveränderungen. Pfarrer Dr. Jürgen Henkel warb für „kirchliche Strukturen in kleinen Räumen vor Ort“ und warnte vor „anonymen Großpfarreien“. Auch Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch sieht einen „Rückzug der Kirche aus der Region“ kritisch, wie er in einem Grußwort deutlich machte.
Pfarrer Henkel mahnte: „Wichtig und entscheidend ist, welche Botschaft wir als Kirche nach außen tragen und welches Bild wir abgeben. Wenn wir nur noch voller Selbstmitleid jammern und den eigenen Niedergang verwalten, dann senden wir keine hoffnungsvolle Botschaft mehr aus. Dabei hat die Kirche Jesu Christi schlimmere Zeiten als heute erlebt und überlebt.“
Mit Abbau-, Verkaufs-, Fusions- und Schließungsplänen und –beschlüssen reagiere die Kirchenleitung seit geraumer Zeit auf die Kirchen- und Glaubenskrise der Gegenwart und die hohen Austrittszahlen. Dabei werden auch die Abschaffung kleiner Pfarrämter und der Verkauf von Pfarrhäusern diskutiert. Der Pfarrer monierte: „In wenigen Jahren soll aktiv abgeschafft werden, was Generationen von Gläubigen vorher vor Ort mühevoll aufgebaut haben und was auch die sichtbare Präsenz der Kirche vor Ort dargestellt hat.“
Der Erkersreuther Pfarrer warnte eindringlich: „Es herrscht kein missionarischer Eifer mehr. Dem kirchlichen Niedergang und religiösen Traditionsabbruch in der Gesellschaft wird nichts positiv entgegengesetzt. Das wird scheinbar hingenommen und als rein finanzielles und statistisches Problem und Immobilienproblem diskutiert. Es wirkt so, als hätte sich die Kirche selbst aufgegeben.“
Ideen im Landeskirchenamt, den Kirchengemeinden den Status als Körperschaften des Öffentlichen Rechts zu entziehen, wies Henkel zurück. „Das würde die Kirchengemeinden zu reinen Filialen und Befehlsempfängern des Landeskirchenamts degradieren. Eine Landeskirche in Deutschland ist diesen Weg schon gegangen. Es ist ein Irrweg“, so Pfarrer Henkel.
Dabei könne es auch in schwierigen Zeiten Zukunftsprojekte mit Außenwirkung und kreative Lösungen geben. Henkel erwähnte die geplante „Europäische Reformatorengalerie Erkersreuth“ als „grenzüberschreitenden und öffentlich sichtbaren Beitrag zur protestantischen Erinnerungskultur“ und auch das Bemühen darum, die Martin-Luther-Kirche in Selb-Plößberg durch Vermietung der Nebenräume zu erhalten.
Der Erkersreuther Kirchenvorstand, der die Fusion der Dekanate Selb und Wunsiedel befürwortet, plant nun eine Eingabe bei den kirchenleitenden Organen vom Landesbischof bis zur Landessynode zu diesen Themen, kündigte Pfarrer Henkel an. Dabei werde auch kritisch angefragt, warum viele dieser Pläne der Landeskirche nicht transparenter diskutiert und kommuniziert würden.
Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch legte in seinem Grußwort ebenfalls ein deutliches Plädoyer für „Kirche vor Ort“ ab. „Die Kirche lebt in den Gemeinden vor Ort. Hier gibt die Kirche den Menschen Zuspruch, Halt und Orientierung. Das geht in Großraumgemeinden so nicht mehr. Ich halte den Einsatz und die Gemeindearbeit vor Ort und auch den persönlichen Kontakt zwischen der Kirche und den Menschen auch in kleinen Räumen für unverzichtbar. Die Schließung kleiner Pfarrämter und der Rückzug der Kirche aus kleinen Räumen durch Konzentration in Großraumgemeinden wäre ein fatales Signal“, so Pötzsch.
Christenverfolgung und Kirchenjubiläum 2028
Als wichtiges Thema für dieses Jahr kündigte Pfarrer Henkel eine verstärkte Beschäftigung mit den weltweiten Christenverfolgungen an. „Wir weltweit derzeit die schlimmsten Christenverfolgungen seit der Antike. 388 Millionen Christen weltweit leben in Ländern der Verfolgung. Und dieses Thema wird in Deutschland und Europa nach wie vor ignoriert und interessiert auch die Medien nicht. Wir wollen hier aufklären und das Bewusstsein schärfen.“
Bereits jetzt beschäftigt die Kirchengemeinde das 100-jährige Jubiläum der Kirche Zum Guten Hirten in Erkersreuth 2028. Laut Vertrauensmann Udo Rödel plane die Kirchengemeinde ein abwechslungsreiches Programm der Pfarrei zu diesem Anlass. „Wir haben das große Jubiläum unserer Erkersreuther Kirche schon jetzt im Blick. Wir werden dafür ein schönes Programm auf die Beine stellen, über das wir uns bereits erste Gedanken machen“, so Udo Rödel.

selb-live.de – Presseinfo; Foto: Göbel