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IMG 20261022 141700 00222.10.2026 – Angespannte Haushaltslage, wirtschaftliche Herausforderungen, laufende Bauprojekte und die Zukunft städtischer Einrichtungen: Bei der Bürgerversammlung der Stadt Selb am Mittwochabend im Rosenthal-Theater gab es zahlreiche Themen zu besprechen. 

Die schwierige finanzielle Situation der Stadt Selb zog sich wie ein roter Faden durch die Bürgerversammlung am Mittwochabend im Rosenthal-Theater. Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch machte deutlich, dass die Kommune angesichts rückläufiger Gewerbesteuereinnahmen und steigender Belastungen weiterhin sparen und Prioritäten setzen müsse. Gleichzeitig gelte es, die Lebensqualität in Selb zu erhalten und die wirtschaftliche sowie städtebauliche Entwicklung voranzubringen.

Vor dem eigentlichen Bürgerdialog informierten Vertreter der Stadtverwaltung über Entwicklungen und Projekte aus ihren jeweiligen Aufgabenbereichen.

 

Tourismus und Stadtmarketing: Übernachtungszahlen auf hohem Niveau

Nadja Hochmuth aus dem Amt für Tourismus und Stadtmarketing blickte auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Mit 46.311 Übernachtungen wurde 2025 einer der höchsten bislang erfassten Werte erreicht. Für das laufende Jahr lagen bis einschließlich Juli 26.152 Übernachtungen vor. Hinzu kommen zahlreiche Aufenthalte in kleineren Ferienunterkünften, die von der amtlichen Statistik nicht erfasst werden.

Auch der Wohnmobilstellplatz am Papiermühlweg erfreut sich weiterhin großer Nachfrage. Bis Ende September wurden dort 2.796 Übernachtungen und 1.194 Wohnmobile registriert.

Im Mittelpunkt ihres Rückblicks standen zudem die zahlreichen Veranstaltungen im Jahr des 600-jährigen Selber Stadtrechts. Neben dem Jubiläumswochenende auf dem Goldberg waren dies unter anderem das Heimat- und Wiesenfest, das in diesem Jahr in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, das Porzellinerfest, das Festival Mediaval und die Funzelnacht. Die eigens zum Stadtjubiläum organisierte Filmreihe „600 Jahre Stadt Selb – 600 Minuten Film“ im Spektrum verzeichnete bislang nahezu 1.000 Besucher.

Hochmuth hob besonders das Engagement der Vereine und ehrenamtlichen Helfer hervor. Einen Ausblick gab sie auf den neu konzipierten Wintermarkt unter dem Motto „Heimatleuchten – St. Martinszauber in Selb“, bei dem Marktgeschehen, Kultur und musikalische Beiträge miteinander verbunden werden sollen. Darüber hinaus wurde Selb erneut als Fairtrade-Town ausgezeichnet.

 

Wirtschaftsförderung: Mehr Gewerbeanmeldungen als Abmeldungen

Rainer Rädel aus der städtischen Wirtschaftsförderung berichtete von einer weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Gesamtlage, verwies aber zugleich auf positive Entwicklungen am Standort Selb.

Die Arbeitslosenquote lag im September bei 6,5 Prozent. Im vergangenen Jahr waren rund 7.700 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, etwa 180 weniger als im Vorjahr. Mit rund 4.720 Einpendlern und 2.900 Auspendlern bleibt Selb jedoch ein bedeutender Arbeitsplatzstandort für die Region.

Von Januar bis September wurden 114 Gewerbeanmeldungen und 71 Abmeldungen registriert. Die Wirtschaftsförderung bearbeitete innerhalb von zwölf Monaten insgesamt 194 Vorgänge, darunter 114 Unternehmenskontakte, 16 Gründungsbegleitungen sowie 64 Anliegen im Immobilien- und Flächenservice.

Als konkrete Projekte nannte Rädel den Neubau des Tierheims im Gewerbegebiet Selb-West, die Wiedereröffnung eines Hagebaumarktes im Mai sowie die Überarbeitung des Gewerbeskulpturenparks an der Schillerstraße. An Letzterem beteiligen sich künftig 26 Unternehmen.

Auch die Belebung der Innenstadt bleibt ein Schwerpunkt. Bei der Aktion „Deine Stadt – Dein Schaufenster“ sind mittlerweile zwölf leerstehende Schaufenster gestaltet, zwei weitere sollen folgen. Positiv bewertete Rädel zudem die Ausbildungsmesse mit mehr als 90 teilnehmenden Unternehmen und schätzungsweise über 2.000 Interessierten sowie weitere Initiativen zur Nachwuchsgewinnung.

 

Bauamt: Pflichtaufgaben haben Vorrang

Bauamtsleietrr Daniel Ruckdeschel stellte die laufenden und abgeschlossenen Bauprojekte vor. Angesichts der angespannten Haushaltslage müssten sämtliche Vorhaben hinsichtlich ihrer Notwendigkeit und Finanzierung geprüft werden. Gesetzliche Pflichtaufgaben hätten dabei Vorrang. Freiwillige Maßnahmen wie die geplante Neugestaltung der Ludwigstraße müssten vorerst zurückstehen.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung des Bahnhofsumfelds mit dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB), neuen Wegeverbindungen, Aufenthaltsbereichen und ergänzender Infrastruktur. Für die neue Fuß- und Radwegeverbindung im Bereich des Bahnhofs wurden rund 450.000 Euro genannt, für die Gestaltung eines angrenzenden Bereichs rund 395.000 Euro. Die Kosten für das öffentliche WC-Gebäude und einen weiteren Pavillon liegen zusammen bei gut 300.000 Euro. Weitere Wohnbauvorhaben sollen das Quartier künftig ergänzen.

Zu den größeren Infrastrukturmaßnahmen gehören außerdem die Erschließung im Bereich der Kita Kappel für mehr als 300.000 Euro sowie die Erschließung im Bereich der Jahnstraße für über 600.000 Euro. Für das Straßenunterhaltsprogramm 2026 sind rund 300.000 Euro vorgesehen. Damit sollen etwa 5.000 Quadratmeter Asphaltflächen im Stadtgebiet saniert werden.

Mit dem Neubau der Kita Kappel verwies Ruckdeschel auf eine weitere bedeutende Investition. Die Bereitstellung ausreichender Betreuungsplätze sei eine gesetzliche Verpflichtung, der die Stadt unabhängig von ihrer finanziellen Situation nachkommen müsse.

 

Touristinformation und Spektrum sorgen für Diskussionen

Im anschließenden Bürgerdialog sprach Olaf Dräger den geplanten Auszug der Touristinformation aus dem Goldenen Löwen in der Ludwigstraße an. Er kritisierte den damit verbundenen möglichen Leerstand und stellte infrage, weshalb die Stadt die bisherigen Räumlichkeiten angesichts jährlicher Kosten von rund 20.000 Euro aufgebe. Stattdessen regte er Einsparungen beim Kino Spektrum an.

Oberbürgermeister Pötzsch verteidigte die Entscheidung. Die Touristinformation und der Stadtmarketingverein Forum „Selb erleben“ sollen künftig gemeinsam im Rathaus untergebracht werden. Durch den Umzug könne die Stadt innerhalb von fünf Jahren mehr als 100.000 Euro einsparen. Gleichzeitig erhoffe man sich durch den neuen Empfangsbereich im Rathaus längere Öffnungszeiten und eine Bündelung der Dienstleistungen.

Zum Spektrum erklärte Pötzsch, dass die Geschäftsleitung ursprünglich einen jährlichen Zuschussbedarf von rund 260.000 Euro kalkuliert habe. Der Stadtrat habe dagegen ein Budget von 180.000 Euro beschlossen, das aus Sicht des Oberbürgermeisters angesichts der Fixkosten von Beginn an nicht auskömmlich gewesen sei. Nun müsse das Gremium über den weiteren Umgang mit der Finanzierung entscheiden.

Pötzsch betonte die kulturelle Bedeutung des Kinos und verwies auf eine positive Entwicklung der Besucherzahlen sowie gesunkene Kosten gegenüber früheren Jahren. Innerhalb der städtischen Zuschüsse für verschiedene Freizeit- und Kultureinrichtungen entfielen nach seinen Angaben rund acht Prozent auf das Spektrum.

 

Einsparungen beim Personal und schwierige Wirtschaftslage

Jörg Schmidling thematisierte die eingebrochenen Gewerbesteuereinnahmen und fragte nach einer langfristigen Strategie zur finanziellen Stabilisierung der Stadt. Insbesondere wollte er wissen, welche Einsparmöglichkeiten beim Personal bestünden und wie Selb künftig neue Unternehmen gewinnen könne.

Pötzsch verwies auf die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und den internationalen Standortwettbewerb. Als Beispiel nannte er die Ansiedlung von Daimler Truck im tschechischen Cheb, wo Unternehmen von umfangreichen staatlichen Förderungen profitieren könnten. Solche Bedingungen könne Selb aus eigener Kraft nicht bieten.

Die Stadt versuche deshalb, Unternehmen durch Beratung, kurze Verwaltungswege und geeignete Flächen zu unterstützen. Zugleich müssten Ausgaben reduziert und zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Als Beispiel führte Pötzsch die Erhöhung der Hallennutzungsgebühren von bislang fünf Euro auf teilweise das Doppelte beziehungsweise Dreifache an.

Auch beim Personal werde jede frei werdende Stelle auf ihre Notwendigkeit überprüft. Nicht alle Stellen würden nachbesetzt; stattdessen würden Aufgaben teilweise innerhalb der Verwaltung neu verteilt oder organisatorische Zusammenlegungen geprüft. Größere kurzfristige Personaleinsparungen seien aufgrund tariflicher und beamtenrechtlicher Vorgaben jedoch nur eingeschränkt möglich.

 

Ludwigstraße und Polizeipräsenz

Thomas Storch erkundigte sich nach einem bereits bei der vergangenen Bürgerversammlung eingebrachten Vorschlag zur Verkehrsführung in der Ludwigstraße. Dieser sieht vor, vom Schmiedbergl aus sowohl in Richtung Marktplatz als auch in Richtung Finanzamt abbiegen zu können, statt der bisherigen durchgehenden Einbahnstraßenregelung.

Pötzsch erklärte, dass sich der Stadtrat demnächst umfassender mit der Verkehrssituation in diesem Innenstadtbereich befassen werde. Dabei sollen auch die Schillerstraße und die Poststraße berücksichtigt werden.

Jürgen Judas sprach angesichts zurückliegender Einbrüche in Erkersreuth die Polizeipräsenz an und forderte, sich weiterhin für eine eigene Polizeiinspektion in Selb einzusetzen. Der Oberbürgermeister verwies darauf, dass die Täter der angesprochenen Einbrüche gefasst worden seien. Die Stadt thematisiere in Gesprächen regelmäßig eine ausreichende Polizeistärke. Mit Blick auf die geplante Justizvollzugsanstalt in Marktredwitz könnten sich künftig zusätzliche Anforderungen an die Polizeipräsenz in der Region ergeben. Für die kommende Woche kündigte Pötzsch die Vorstellung des aktuellen Sicherheitsberichts der Polizei an.

 

Leerstehende Immobilien: Rechtliche Möglichkeiten sollen geprüft werden

Thomas Wlasak kritisierte den Zustand mehrerer leerstehender und vernachlässigter Immobilien an der Försterstraße. Er regte an, rechtliche Instrumente gegen längerfristigen Leerstand und mangelnde Instandhaltung zu prüfen.

Pötzsch erläuterte, dass die Stadt bei privaten Immobilien grundsätzlich nur eingeschränkte Eingriffsmöglichkeiten habe. Anders sei dies, wenn von Gebäuden eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehe oder beispielsweise unzulässige Müllablagerungen vorlägen. In solchen Fällen könnten die zuständigen Behörden tätig werden.

Auf den Hinweis Wlasaks zu möglichen rechtlichen Maßnahmen gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum sagte der Oberbürgermeister zu, die Angelegenheit prüfen zu lassen.

Zum kommunalen Leerstandsmanagement erklärte Pötzsch auf Nachfrage aus dem Publikum, dass die Wirtschaftsförderung bereits ein Register freier Gewerbeimmobilien führe und Interessenten bei der Standortsuche unterstütze. Die Vermittlung privater Wohnungen gehöre dagegen nicht zu den Aufgaben der Stadt. Zugleich erwerbe die Kommune gezielt Immobilien, um langfristige städtebauliche Entwicklungen zu ermöglichen.

 

Langer Teich: Maßnahmen für die nächste Badesaison geplant

Eine Frage betraf das Waldbad Langer Teich. Pötzsch stellte klar, dass die Stadt an der Einrichtung festhalten und möglichst wieder einen regulären Badebetrieb ermöglichen wolle.

Nach den Problemen der vergangenen Saison mit starkem Pflanzenwachstum und Zerkarienbefall seien bereits konkrete Maßnahmen vorbereitet worden. So soll das Wasser kurzfristig abgelassen, der Bewuchs entfernt und der Teich anschließend wieder befüllt werden. Auch ein ausreichender Fischbesatz und eine frühzeitigere Wasserversorgung sollen helfen, das ökologische Gleichgewicht zu verbessern.

Der Oberbürgermeister erinnerte zudem an die Investition von mehr als 400.000 Euro in die Sicherung des Damms. Dies unterstreiche die Bedeutung des Waldbads für die Stadt.

Auf eine weitere Frage zu Fördermöglichkeiten für Schwimmbäder erklärte Pötzsch, dass der Lange Teich als Naturgewässer nicht unter das angesprochene Bundesförderprogramm falle. Beim Hallenbad seien größere Sanierungen bereits in der Vergangenheit erfolgt. Weitere Maßnahmen über das Förderprogramm seien derzeit wegen der notwendigen Eigenmittel und nicht förderfähiger Kosten finanziell nicht darstellbar.

 

FichtelFlexi: Angebot soll weiter optimiert werden

Auch der öffentliche Nahverkehr und insbesondere das FichetlFlitzer/FichtelFlexi-Angebot wurden angesprochen. Hierzu nahm Landrat Peter Berek Stellung. Angesichts der schwierigen Haushaltslage müsse der Landkreis die Wirtschaftlichkeit freiwilliger Verkehrsangebote genau betrachten. Es gehe derzeit vor allem darum, die Nutzung auszuwerten und das Angebot entsprechend anzupassen. Der finanzielle Mitteleinsatz bleibe momentan nahezu unverändert. Ob dies langfristig möglich sei, müsse sich zeigen. Die Mobilitätsbedürfnisse unter anderem von Schülern und Auszubildenden sollen dabei weiterhin berücksichtigt werden. 

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