21.6.2026 – Spätestens, wenn wie in diesen Tagen in Selb die ersten Wiesenfestplakate in den Schaufenstern auftauchen, beginnt für viele die schönste Zeit des Jahres. Die Vorfreude auf das Heimat- und Wiesenfest steigt, der Goldberg rückt näher. Und mit ihm auch die Erinnerungen an Kindheit, Tradition und unzählige b8esondere Momente. Dass das diesjährige Plakatmotiv genau diese Gefühle einfängt, kommt dabei nicht von ungefähr. Denn entstanden ist es traditionell aus der Fantasie eines Kindes.
Die Künstlerin hinter dem diesjährigen Wiesenfestplakat heißt Marie Lohmeyer. Heute ist sie 18 Jahre alt, hat gerade ihr Abitur am Walter-Gropius-Gymnasium erfolgreich abgeschlossen und blickt auf eine Bild zurück, die sie bereits als Neunjährige geschaffen hat.
Damals besuchte sie die vierte Klasse der Bogner-Grundschule und nahm am Malwettbewerb für das Wiesenfestplakat teil. Während viele ihrer Mitschüler Reigentänze, Karussells oder andere typische Szenen des Festes aufs Papier brachten, entschied sich Marie für einen etwas anderen Blickwinkel: Im Mittelpunkt ihres Bildes stand das traditionelle Kegeln auf dem Goldberg.
„Ich hätte damals selbst viel lieber bei den Jungs mitgekegelt oder Hahnenschlagen gemacht“, erinnert sie sich heute schmunzelnd. Der Reigentanz gehörte dagegen nicht unbedingt zu ihren Lieblingsprogrammpunkten. Vielleicht war es genau diese persönliche Sichtweise, die ihrem Bild einen besonderen Charakter verlieh.
Mit Wassermalfarben entstand damals ein buntes Werk voller Details. Sogar bei den Kegeln wurde getrickst – allerdings im positiven Sinne. Damit alle gleich groß aussahen, schnitt die junge Künstlerin einen Kegel zunächst aus Pappe aus und nutzte diesen anschließend als Schablone.
Bis heute erinnert sie sich noch gut an die Preisverleihung im Jahr 2018 im Selber Rathaus. Besonders der feierliche Rahmen blieb ihr im Gedächtnis. „Der Rathaussaal hat mich damals sehr beeindruckt“, erzählt sie. Natürlich freute sie sich ebenso über die Anerkennung durch Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch und über die kleine Prämie, die es für die erfolgreichen Teilnehmer gab.
Das Wiesenfest selbst spielte in ihrer Kindheit ohnehin stets eine große Rolle. Mit Freunden zog sie über den Festplatz, probierte Fahrgeschäfte aus und investierte so manches Taschengeld an den Spielbuden. Vor allem die Schießstände hatten es ihr angetan.
Ebenso gern erinnert sie sich an die Festzüge. Schon in den ersten Grundschuljahren durfte sie ihre Klasse als Fahnenträgerin anführen. Eine Aufgabe, die für sie etwas ganz Besonderes war. Schließlich hatte einst bereits ihr Vater dieselbe Rolle übernommen.
Und auch heute gehört der Festzug für Marie zu den Höhepunkten des Wiesenfestes. Als frisch gebackene Abiturientin wird sie wieder mitlaufen. Und natürlich möchte sie gemeinsam mit Freunden die besondere Atmosphäre auf dem Goldberg genießen.
Dass ihr Bild nun Jahre später zum offiziellen Gesicht des Wiesenfestes geworden ist, freut sie sehr. Dabei steckt dahinter gar ein Novum. Dieses Bild nämlich war schon fertig bearbeitet für das Plakat im Jahr 2020. Das Wiesenfest fiel hier Corona zum Opfer. Gedruckt wurde das Plakat folglich nicht. Umso größer aber nun die Freude, das eigene Kinderkunstwerk jetzt an so vielen Orten in der Stadt wiederzuentdecken.
Kreativität ist für Marie längst mehr als eine schöne Kindheitserinnerung geblieben. Auch heute gestaltet sie gerne, näht, entwirft und arbeitet mit unterschiedlichsten Materialien. Aus alten Kleidungsstücken entstehen neue Ideen, aus Stoffen individuelle Kreationen.
Nach ihrem erfolgreichen Schulabschluss möchte sie diesen Weg nun weiterverfolgen. Geplant ist ein Studium im Bereich Textildesign. Ein Schritt, der hervorragend zu ihrer Leidenschaft für Gestaltung und Design passt.
selb-live.de – Michael Sporer