8.11.2026 - Sechs Künstler, 81 Werke und ein gemeinsamer beruflicher Ursprung: Mit der Ausstellung „malende porzellan maler“ erinnert der Kunstverein Hochfranken Selb an Künstler, die zunächst das Handwerk der Porzellanmalerei erlernten und sich später auch der freien Malerei widmeten. Am Sonntagvormittag wurde die Schau im gut besuchten Rosenthal-Theater eröffnet.
Der stellvertretende Vorsitzende Sebastian Pawletta begrüßte zur Vernissage zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Sein Dank galt insbesondere den privaten Kunstsammlern und Nachfahren der Künstler, die Werke als Leihgaben zur Verfügung gestellt hatten. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage vom Malergesangverein Selb von 1887, dessen Beiträge mit Applaus aufgenommen wurden.
Die Ausstellung vereint Arbeiten von Robert Steidl, Otto Keitel, Emil Wunderlich, Adolf Mötsch, Max Weber und Emil Stefan. Alle sechs Künstler verbindet ihre Ausbildung beziehungsweise berufliche Tätigkeit als Porzellanmaler. Im Laufe ihres Schaffens entwickelten sie jedoch eigene künstlerische Ausdrucksformen, die weit über die Gestaltung von Porzellan hinausgingen. Diesen Übergang vom handwerklich geprägten Beruf zur freien Kunst sichtbar zu machen, ist das zentrale Anliegen der Ausstellung.
In seiner Einführung erinnerte der Kunstvereinsvorsitzende Volker Seitz an die enge Verbindung zwischen Porzellanindustrie, Design und Kunst in Selb. Dabei griff er auf ein Vorwort zu einer Selber Kunstschau aus dem November 1948 zurück, in dem bereits die besondere Bedeutung der Kunstpflege für die Porzellanstadt hervorgehoben worden war.
Seitz erläuterte auch die besondere Stellung, die Porzellanmaler früher innerhalb der Fabriken einnahmen. Ihre Arbeit erforderte hohe handwerkliche Präzision und künstlerisches Können. Häufig waren ihre Ateliers räumlich von den übrigen Produktionsbereichen getrennt. Aus diesem beruflichen Selbstverständnis heraus entwickelten sich eigene Traditionen, zu denen auch die Gründung des Malergesangvereins gehörte.
Die sechs ausgewählten Künstler stehen zugleich für unterschiedliche Wege der künstlerischen Weiterentwicklung. Otto Keitel, der zu den frühen Schülern der Selber Porzellanfachschule gehörte, wurde später selbst als Fachlehrer tätig. Emil Wunderlich, zunächst sein Schüler und später sein Malerfreund, widmete sich insbesondere der Landschaftsmalerei. Max Weber entwickelte eine eigenständige abstrakte Bildsprache, während Adolf Mötsch unter anderem mit gegenständlichen Motiven hervortrat.
Robert Steidl, der jüngste der sechs Künstler, finanzierte sein Studium an der Nürnberger Kunstakademie unter anderem mit Dekorentwürfen für die Porzellanindustrie. Eine besondere Stellung nimmt Emil Stefan ein. Wie Seitz erläuterte, sei dessen Schaffen bei den Vorbereitungen zur Ausstellung gewissermaßen neu entdeckt worden. Obwohl Stephan in verschiedenen Porzellanfabriken gearbeitet und ein umfangreiches künstlerisches Werk hinterlassen habe, sei ihm bislang keine eigene Ausstellung in Selb und der näheren Umgebung gewidmet worden.
Die 81 ausgestellten Arbeiten sind bewusst nicht nach Künstlern oder Maltechniken, sondern nach Themen und Bildgattungen geordnet. So begegnen sich Porträts, Landschaften, Stadtansichten, Naturdarstellungen und abstrakte Kompositionen. Diese Zusammenstellung ermöglicht es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen künstlerischen Handschriften unmittelbar miteinander zu vergleichen.
Ergänzende Fotografien und biografische Texte vermitteln Informationen über das Leben und Wirken der sechs Künstler. Die Werke stammen aus privaten Sammlungen, aus dem Besitz von Familienangehörigen sowie teilweise aus der Kunstsammlung der Stadt Selb.
Der dritte Bürgermeister Patrick Zeidler dankte im Namen der Stadt Selb dem Kunstverein für die Organisation und verwies in seinem kurzen Grußwort auf das Zusammenwirken zahlreicher Beteiligter. Die Ausstellung sei ein weiteres Beispiel für das vielfältige Engagement im Jahr des Selber Stadtjubiläums.
Die Konzeption der Schau hatte eine Arbeitsgruppe des Kunstvereins unter Leitung von Volker Seitz und Sebastian Pawletta erarbeitet.
Mit der Ausstellung rückt der Kunstverein einen Teil der Selber Kunst- und Industriegeschichte in den Mittelpunkt, der über die Porzellanproduktion hinausreicht. Sie zeigt, wie aus der beruflichen Ausbildung und Tätigkeit als Porzellanmaler eigenständige künstlerische Lebenswege entstanden.
Die Ausstellung „malende porzellan maler“ ist noch bis zum 10. Januar 2027 im Rosenthal-Theater Selb zu sehen.
