2.10.2026 – Die Gebühren für Verkaufsstände, eine Fichtel-Stele am Bahnhof, Bekanntgaben, Berichterstattung - der Selber Stadtrat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung neben den bereits auf selb-live.de veröffentlichten Themen noch mit folgenden Tagesordnungspunkten:
+++ Bekanntgabe der in der nichtöffentlichen Sitzung gefassten Beschlüsse +++
Die Stadt Selb hat mehrere Auftragsvergaben bekannt gegeben, die zuvor in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen worden waren. Der Bayerische Kommunale Prüfungsverband (BKPV) aus München wurde mit einer Organisationsuntersuchung des städtischen Bauhofs und der Verwaltung beauftragt.
Für das Rosenthal-Theater werden drei Bühnen- und Profilscheinwerfer von der Firma Werning aus Recklinghausen geliefert. Die Tischlerarbeiten für die Innentüren beim Neubau der Kindertagesstätte auf der Kappel übernimmt die Firma Hübner Einrichtungen aus Bad Weißenstadt.
Den Auftrag für die Asphaltdeckensanierung in der Böttgerstraße im Selber Ortsteil Erkersreuth erhielt die Fränkische Baugesellschaft Freileitungsbau und Elektroinstallation GmbH aus Bayreuth. Die Lieferung und Einlagerung von Streusalz übernimmt die Salinity Deutschland GmbH aus Hannover.
Darüber hinaus vergab die Stadt die Beratungsleistungen im Rahmen des Förderprogramms Gigabit-Richtlinie an die Breitbandberatung Bayern GmbH aus Neumarkt in der Oberpfalz.
+++ Gebühren für Verkaufsstände +++
Der Selber Stadtrat hat einstimmig eine Neuregelung der Standentgelte und -gebühren bei städtischen Veranstaltungen beschlossen. Die neuen Sätze gelten ab 1. Januar 2027 und sollen künftig entsprechend der Inflationsrate dynamisch angepasst werden.
Beim Wiesenfest werden für Essensstände künftig 200 Euro pro Tag, für Getränkestände 150 Euro und für sonstige Stände, etwa für Süßwaren, Kaffee oder Spielwaren, 125 Euro pro Tag fällig. Strom und Wasser rechnen die Standbetreiber direkt mit der ESM ab. Nach Angaben der Stadt kann durch die Neuregelung das bestehende Defizit des Wiesenfestes um rund 14.000 Euro reduziert werden.
Auch beim Weihnachtsmarkt steigen die Gebühren ab 2027. Statt bisher 65 Euro werden künftig 90 Euro pro Adventswochenende erhoben. Wer an allen vier Wochenenden teilnimmt, zahlt insgesamt 340 statt regulär 360 Euro. Gemeinnützige Vereine, Organisationen und Institutionen bleiben weiterhin von den Gebühren befreit.
Für weitere städtische Veranstaltungen wie Porzellinerfest, Bürgerfest oder Weinfest gelten künftig ebenfalls einheitliche Entgelte: 150 Euro für den Getränkeverkauf, 200 Euro für Speisen beziehungsweise für den kombinierten Verkauf von Speisen und Getränken sowie 125 Euro für Süßwaren, Spielwaren, Luftballons und vergleichbare Angebote. Hier sind Nebenkosten wie Strom und Müllentsorgung bereits enthalten. Auch bei diesen Veranstaltungen bleiben gemeinnützige Anbieter entgeltfrei.
Die genannten Entgelte und Gebühren werden jeweils zuzüglich der geltenden Mehrwertsteuer berechnet. Über künftige inflationsbedingte Erhöhungen soll der Stadtrat informiert werden.
+++ Errichtung eines Batteriespeicherparks +++
Die Planungen für einen Batteriespeicherpark südöstlich der Autobahnausfahrt A93 Selb-West gehen in die nächste Phase. Der Stadtrat billigte das vorliegende Plankonzept und gab damit den Weg für die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden und Träger öffentlicher Belange frei.
Die Anumar GmbH plant auf einem rund 5.800 Quadratmeter großen Grundstück zwischen dem Betriebsgelände von Heidelberger Beton und dem Sportgelände des SV-Union einen Batteriespeicherpark. Vorgesehen ist eine Speicherkapazität von rund 60 Megawattstunden (MWh) bei einem jährlichen Arbeitsvolumen von bis zu 20.000 MWh.
Für das Vorhaben soll ein Sondergebiet „Batteriespeicher“ ausgewiesen und der Flächennutzungsplan entsprechend geändert werden. Die Höhe der Anlagen wird auf maximal vier Meter begrenzt. Das Gelände soll eingezäunt und durch eine zweireihige Heckenpflanzung optisch abgeschirmt werden. Die Zaunanlage soll für Kleintiere durchlässig bleiben.
Im nächsten Schritt werden Öffentlichkeit und Behörden frühzeitig am Bauleitplanverfahren beteiligt.
+++ Errichtung einer Photovoltaik-Freiflächenanlage +++
Der Selber Stadtrat hat das Bauleitplanverfahren für eine geplante Photovoltaik-Freiflächenanlage in Vielitz eingeleitet. Die Anlage soll östlich des Anwesens Alte Hofer Straße 1 auf einer rund 8.800 Quadratmeter großen Fläche entstehen. Gleichzeitig soll der Flächennutzungsplan entsprechend geändert werden.
Vorhabenträger ist ein Anwohner des benachbarten Grundstücks. Der erzeugte und gespeicherte Strom soll überwiegend der privaten Versorgung des Anwesens Alte Hofer Straße 1 dienen, Überschüsse sollen ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Vorgesehen ist eine Photovoltaikanlage mit einer Gesamtleistung von rund 30 Kilowattpeak (kWp). Nach Angaben in der Beschlussvorlage sollen dadurch jährlich rund 1.400 Tonnen CO₂-Emissionen eingespart werden.
Für die Fläche ist die Ausweisung eines Sondergebiets für Photovoltaik vorgesehen. Die Höhe der Anlagen wird auf maximal 3,5 Meter über dem natürlichen Gelände begrenzt, um Auswirkungen auf das Landschaftsbild möglichst gering zu halten.
Mit dem Beschluss billigte der Stadtrat das Plankonzept als Grundlage für das weitere Verfahren. Im nächsten Schritt werden die Öffentlichkeit sowie Behörden und Träger öffentlicher Belange frühzeitig beteiligt.
+++ Kontakt zu Daimler Truck und Siemens Healthineers +++
Welche wirtschaftlichen Chancen können sich für Selb aus den geplanten Großinvestitionen von Daimler Truck im tschechischen Cheb und Siemens Healthineers in Kemnath ergeben? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Selber Stadtrat auf Antrag der AfD-Fraktion.
Wirtschaftsförderer Rainer Rädel machte in seinem Bericht deutlich, dass die Stadt in den angesprochenen Bereichen bereits aktiv ist und entsprechende Kontakte bestehen.
Die AfD-Fraktion hatte beantragt, mögliche Ansiedlungen von Zulieferbetrieben, Dienstleistern oder Logistikunternehmen im Zusammenhang mit dem geplanten Daimler-Truck-Werk in Cheb zu prüfen. Daneben sollte die Machbarkeit einer Lkw-Raststätte zwischen Selb und Aš untersucht werden. Mit Blick auf die Investitionen von Siemens Healthineers in Kemnath sollte die Stadt zudem mögliche Kooperationen bei Zulieferung und Fachkräften ausloten.
Nach Angaben von Wirtschaftsförderer Rainer Rädel hat die Stadt bereits frühzeitig Kontakt zur Daimler Truck AG aufgenommen. Dabei sei Selb mit seinen Industrieunternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, dem Hochschulstandort sowie verfügbaren Gewerbeflächen als möglicher Wirtschaftsstandort vorgestellt worden. Ein Gespräch mit Vertretern von Daimler Truck sei bereits terminiert und solle in Kürze stattfinden.
Rädel dämpfte zugleich Erwartungen an kurzfristige konkrete Ergebnisse. Das geplante Werk in Cheb befinde sich noch in einer sehr frühen Phase. Deshalb könnten derzeit noch keine belastbaren Aussagen über künftige Lieferketten, Logistikstrukturen oder daraus resultierende Standortentscheidungen getroffen werden. Entscheidend sei aus Sicht der Wirtschaftsförderung, frühzeitig im Gespräch zu sein und Selb als möglichen Standort sichtbar zu machen.
Auch zu Siemens Healthineers in Kemnath bestehen nach Angaben Rädels bereits Kontakte. Selber Unternehmen seien dort aufgrund der räumlichen Nähe und teilweise langjähriger Geschäftsbeziehungen bekannt. Die vorhandenen Kontakte könnten bei konkreten Themen kurzfristig genutzt werden.
Parallel stehe die Wirtschaftsförderung bei beiden Großprojekten im Austausch mit dem Landratsamt Wunsiedel, Invest in Bavaria und über diesen Weg auch mit dem Automotive-Cluster von Bayern Innovativ. Insbesondere mit Blick auf mögliche Zulieferbetriebe und künftige Vernetzungsveranstaltungen rund um das Daimler-Projekt seien diese Kontakte von Bedeutung.
Auch die im AfD-Antrag vorgeschlagene Prüfung einer Lkw-Raststätte ist für die Stadt kein neues Thema. Rädel erklärte, dass ihn diese Frage bereits seit seinem Start bei der Stadt im Jahr 2021 beschäftige und sich auch der Stadtrat schon zuvor damit befasst habe. In der Vergangenheit habe es Gespräche und Vorstellungen von Projektentwicklern gegeben. Bislang habe jedoch keiner der Interessenten das Vorhaben bis zu einer Realisierung gebracht. Auch Einschätzungen von Mineralölunternehmen zum Potenzial eines entsprechenden Standorts an der Autobahn seien eher zurückhaltend ausgefallen.
Sollte sich künftig ein konkreter Betreiber oder Investor für eine solche Anlage interessieren, will die Stadt das Thema erneut aufgreifen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten begleiten.
Unterstrichen wurde, dass bei Großkonzernen wie Daimler frühzeitig Kontakte aufgenommen würden, solche Prozesse aufgrund der Konzernstrukturen allerdings Zeit benötigten. Die Wirtschaftsförderung und das Oberbürgermeisterbüro würden Selb bei entsprechenden Unternehmen aktiv als möglichen Standort positionieren.
Als einen wesentlichen Standortvorteil verwies man auf die verfügbaren Gewerbeflächen. Die Stadt verfüge über mehr als 50.000 Quadratmeter Gewerbefläche in eigenem Besitz, die kurzfristig beziehungsweise unmittelbar bebaubar sei. Neben möglichen Flächen für Zulieferunternehmen wolle sich Selb auch als Wohn- und Lebensstandort für Fachkräfte präsentieren.
Damit waren die wesentlichen Punkte des AfD-Antrags nach Einschätzung der Verwaltung bereits Gegenstand der laufenden Wirtschaftsförderung.
+++ Errichtung einer Fichtel Stele +++
Am Selber Bahnhof soll künftig eine sogenannte Fichtel-Stele über Veranstaltungen, Gastronomie und den öffentlichen Nahverkehr informieren. Der Stadtrat stimmte der Aufstellung der digitalen Informationsstele mehrheitlich zu. In der Diskussion wurden allerdings auch die Kosten sowie die Gefahr möglicher Beschädigungen durch Vandalismus thematisiert.
Die Fichtel-Stelen gibt es bereits an verschiedenen Stellen im Landkreis Wunsiedel. Sie bilden wesentliche Inhalte der Fichtel-App ab und ermöglichen damit auch Menschen ohne Smartphone sowie ankommenden Gästen einen unkomplizierten Zugriff auf touristische und weitere Informationen.
Die Stele selbst wird der Stadt Selb im Rahmen eines Förderprojektes des Landkreises kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf die Stadt kommen allerdings einmalig rund 5.000 Euro für die Herstellung des notwendigen Fundaments einschließlich der Anschlüsse zu. Hinzu kommen jährlich jeweils rund 20 Euro für die mobile Internetversorgung und den Strom.
Gerade die Kosten von rund 5.000 Euro für Fundament und Anschlüsse wurden in der Stadtratsdiskussion teilweise als vergleichsweise hoch angesehen. Zudem wurde die Frage aufgeworfen, inwieweit eine öffentlich zugängliche digitale Stele Ziel von Vandalismus werden könnte.
Als Standort hat die Stadtverwaltung nach Prüfung verschiedener Möglichkeiten das Bahnhofsareal ausgewählt. Vorgesehen ist ein überdachter Bereich mit Sitzgelegenheiten neben dem Toilettengebäude. Dort soll die Stele für Reisende und andere Besucher gut sichtbar und erreichbar sein.
Die anfallenden Kosten können über die städtische Maßnahme „Bahnhofsareal“ abgerechnet werden. Trotz der in der Beratung angesprochenen Bedenken sprach sich der Stadtrat mehrheitlich für die Errichtung der Fichtel-Stele am vorgeschlagenen Standort aus.
+++ Berichterstattung zu Anfragen +++
Zu mehreren früheren Anfragen aus dem Selber Stadtrat wurde entsprechend informiert.
Carsten Hentschel (CSU) hatte die Parksituation in der Längenauer Straße zwischen der ehemaligen Sparkasse und dem Christian-Höfer-Ring angesprochen. Dort werde auf beiden Straßenseiten geparkt. Hentschel hatte deshalb unter anderem gefragt, ob das Parken auf dem Gehweg zugelassen werden könnte.
Nach Prüfung durch das Ordnungsamt und Rücksprache mit der Polizeiinspektion Marktredwitz wird dies nicht befürwortet. Die rund neun Meter breite Fahrbahn werde durch die parkenden Fahrzeuge bereits auf natürliche Weise verengt. Dies reduziere die Geschwindigkeit und erhöhe die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer. Gerade mit Blick auf die Luitpoldschule, den Kindergarten und die zahlreichen Kinder auf ihrem Schulweg werde darin ein Sicherheitsgewinn gesehen. Eine Freigabe des Gehwegs zum Parken könnte dagegen die Fahrbahn verbreitern und höhere Geschwindigkeiten begünstigen.
Berthold Grimm (AfD) hatte nach dem eingefallenen Kanaldeckel beziehungsweise Sinkkasten in der Hauptstraße im Ortsteil Selb-Plößberg gefragt. Die Stadt teilte dazu mit, dass die Instandsetzung für den Herbst vorgesehen ist.
Ortssprecher Joachim Reuer hatte um eine Überprüfung der Verkehrssicherheit einer Stützmauer am Parkplatz in der Angergasse in Erkersreuth gebeten. Dort ragen Betonelemente bereits in die Parkflächen hinein.
Die Eigentumsverhältnisse der Mauer konnten bislang nicht geklärt werden. Stadtbauamtsleiter Daniel Ruckdeschel und Bauhofleiter Bernd Penzel waren über die Situation bereits informiert. Nachdem festgestellt worden war, dass sich die betreffenden Elemente bewegen lassen, wurde der Bauhof vorsorglich angewiesen, die unmittelbar davorliegenden Flächen zu sperren. Nun soll zunächst geklärt werden, wem die Stützmauer gehört, bevor weitere Schritte eingeleitet werden.
Ortssprecherin Doris Netzsch hatte auf eine aus ihrer Sicht unübersichtliche Situation an der Kreuzung beim Anwesen Längenau 19 hingewiesen. Wer aus Richtung Erkersreuth komme und nach links abbiegen wolle, müsse wegen eines Zauns und der Bepflanzung relativ weit in die Kreuzung einfahren. Netzsch hatte deshalb einen Verkehrsspiegel als mögliche Lösung vorgeschlagen.
Ordnungsamt und Polizeiinspektion Marktredwitz kamen nach einer Prüfung jedoch zu dem Ergebnis, dass die Sichtverhältnisse ausreichend sind. Von einem Verkehrsspiegel wird abgeraten, da dieser eine falsche Sicherheit vermitteln könne und bei Beschlag oder Frost nicht zuverlässig nutzbar sei. Stattdessen wird eine Haltelinie vorgeschlagen. Sie soll Autofahrern anzeigen, bis zu welchem Punkt sie vorfahren müssen, um den Querverkehr ausreichend einsehen zu können.
Roland Schneider (FWS) hatte die deutlich gestiegene Verkehrsbelastung infolge der Autobahnbaustelle zwischen den Anschlussstellen Selb-West und Selb-Nord angesprochen. Wegen der Rückstaus auf der A93 würden viele Autofahrer über die B15 beziehungsweise die WUN 19 ausweichen und durch Unterweißenbach fahren. Dabei sei es auch zu gefährlichen Situationen und teilweise überhöhten Geschwindigkeiten gekommen.
Als Reaktion wird im Bereich Vorderer Berg eine zusätzliche Ortstafel mit dem Hinweis „Hier gilt rechts vor links“ aufgestellt. Auch die Ortstafel in der Hans-Köhler-Straße soll diesen Zusatz erhalten. Darüber hinaus ist vor Unterweißenbach in Fahrtrichtung Selb eine zusätzliche Beschilderung vorgesehen, die Autofahrern den Weg zurück zur A93 aufzeigt und damit den Ausweichverkehr durch den Ort reduzieren soll.