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kino selb spektrum 072530.7.2026 - Der Halbjahresbericht 2026 des Kommunalen Kinos Spektrum sorgte im Selber Stadtrat für Diskussionen. Was Betriebsleiter Klaus-Peter Bärnreuther präsentierte, zeichnete zunächst ein deutlich positives Bild: Besucherzahlen, Ticketverkäufe und Eigenerträge haben sich gegenüber dem Vorjahr teils massiv erhöht. Gleichzeitig entwickelte sich die Sitzung einmal mehr zu einer kontroversen politischen Debatte über Wirtschaftlichkeit, Defizite und die Rolle des kommunalen Kinos.

Bereits die Worte von Bärnreuther machten deutlich, dass das Spektrum im ersten Halbjahr eine außergewöhnliche Entwicklung genommen hat. Die Zahl der verkauften Kinotickets stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 von 3.398 auf 7.164 – ein Plus von rund 111 Prozent. Bereits Mitte Mai konnte der 10.000. Besucher des Jahres begrüßt werden. Parallel entwickelten sich auch Gastronomieumsätze und Mieterträge positiv, sodass die Eigenerträge insgesamt um rund 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten.

Bärnreuther sprach von einem „absolut super Start“ ins Jahr 2026 und ergänzte, dass die Zahlen inzwischen bereits wieder überholt seien. Bis Ende Juli seien bereits mehr als 8.200 Tickets verkauft worden.

Besonders erfreulich sei die Entwicklung bei den Schulvorstellungen. Immer häufiger würden ganze Klassen Sondervorführungen besuchen. Gleichzeitig baue das Kino sein Angebot kontinuierlich aus. Neben klassischen Filmvorführungen gehören mittlerweile Sprachfilme für Schulen, Sonderreihen, Seniorenkino, Kabarett, Konzerte, Lesungen, Firmenveranstaltungen und Vermietungen zum festen Programm.

Auch die Gastronomie profitiere vom Besucherzuwachs. Rund 600 Pizzen, über 5.600 Softdrinks, mehr als 900 Kaffees sowie zahlreiche Cocktails und weitere Angebote seien allein im ersten Halbjahr verkauft worden. Gerade diese steigenden Zusatzumsätze seien entscheidend.

„Nur mit Ticketverkauf und Concession allein wird man sich niemals annähernd kostendeckend finanzieren können. Deshalb brauchen wir zusätzliche Veranstaltungen und Vermietungen“, machte Bärnreuther deutlich. Er verwies unter anderem auf geplante Firmenveranstaltungen, Jubiläen oder Geburtstagsfeiern. Das Spektrum verfüge über moderne Veranstaltungstechnik und könne weit mehr sein als ein klassisches Kino.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit hob er hervor. Seit Ende 2025 betreue das Team sämtliche Social-Media-Kanäle selbst. Reichweite und Resonanz seien deutlich gestiegen. Kooperationen mit Sponsoren, Schulen, Vereinen und regionalen Partnern würden kontinuierlich ausgebaut.

Beim Personaleinsatz arbeite man gleichzeitig daran, möglichst effizient zu wirtschaften, ohne die Servicequalität einzuschränken.

Das Kino sei ihm ans Herz gewachsen. Gemeinsam mit seinem Team glaube er fest an den Erfolg der Einrichtung. Man benötige allerdings Zeit, um die begonnenen Entwicklungen weiterzuführen.

Noch vor der eigentlichen Aussprache wurde ein gemeinsamer Antrag der Stadtratsfraktionen von CSU und SPD sowie der Stadträte der Freien Wähler Selb und von Bündnis 90/Die Grünen behandelt. Darin wird gefordert, dass das vom Stadtrat beschlossene monatliche Wirtschaftlichkeitsmonitoring künftig allen Stadträten unverzüglich nach Erstellung zur Verfügung gestellt und zugleich transparent dargestellt werden soll, welche Maßnahmen zur Einhaltung des Budgets und zur Verbesserung der Kostendeckung ergriffen werden.

Stadtkämmerer Christopher Lang zitierte anschließend aus jener E-Mail, auf die sich der Antrag bezog. Darin habe die Finanzverwaltung lediglich darauf hingewiesen, dass das vom Stadtrat beschlossene Budget für das Spektrum nach damaligem Stand voraussichtlich nicht ausreichen werde. Dies sei ausdrücklich keine Aussage gewesen, dass die Verwaltung Budgetüberschreitungen akzeptiere. „Die Finanzverwaltung hat kein Bekenntnis zur Budgetüberschreitung abgegeben, sondern den Stadtrat lediglich über ein Haushaltsrisiko informiert“, stellte Lang klar.

Nach aktueller Prognose könne sich das Jahresdefizit zwar auf rund 230.000 Euro belaufen und damit etwa 50.000 Euro über dem Budget liegen. Diese Berechnung berücksichtige allerdings noch nicht zahlreiche zusätzliche Veranstaltungen und Einnahmen des zweiten Halbjahres. Ziel bleibe ausdrücklich, das beschlossene Budget möglichst einzuhalten.

Während sich die Diskussion anschließend teils zuspitzte, fiel die Wortmeldung von Rita Bieschke-Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) durchaus auf. Denn obwohl sie den gemeinsamen Antrag mitunterzeichnet hatte, der mehr Transparenz und eine stärkere Kontrolle des Monitorings fordert, schlug sie im Stadtrat einen deutlich versöhnlicheren Ton und zog eine klar positive Bewertung der Entwicklung des Spektrums. Sie bedankte sich ausdrücklich für den Vortrag und hob die Bedeutung kultureller Einrichtungen als weiche Standortfaktoren hervor. Kultur sei ein wichtiger Bestandteil von Demokratie, Bildung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Sie freue sich über die positive Entwicklung des Kinos und sehe die Einrichtung auf einem guten Weg.

Aus den Reihen der CSU meldete sich Wolfgang Kreil zu Wort. Ihm fehle im gesamten Monitoring eine entscheidende Kennzahl. Zwar würden umfangreich Eigenerträge, Besucherzahlen und Umsätze dargestellt, nicht ersichtlich sei jedoch, welchen tatsächlichen Zuschuss das Kino im ersten Halbjahr benötigt habe. Genau diese Zahl sei für die wirtschaftliche Bewertung entscheidend. Kreil kritisierte, dass das Monitoring zwar Umsätze abbilde, jedoch nicht unmittelbar zeige, wie hoch das tatsächliche Defizit ausfalle. Wie Christopher Lang hierzu mitteilte, liege dieses im ersten Halbjahr bei rund 115.000 Euro.           

Die Kritik von Wolfgang Kreil griff später auch CSU-Stadtrat Matthias Müller auf. Er betonte ausdrücklich, niemand in der CSU wolle das Kino schließen. Das sei nie gefordert worden. Allerdings müsse ein Monitoring seinem Namen gerecht werden. Es brauche standardisierte Kennzahlen, anhand derer sich eindeutig erkennen lasse, wie wirtschaftlich ein Betrieb tatsächlich arbeite und welche Maßnahmen erforderlich seien. Ein solches Kennzahlensystem wünsche er sich nicht nur für das Spektrum, sondern grundsätzlich für sämtliche städtischen Einrichtungen.

Eine der deutlichsten Wortmeldungen des Abends kam von Timo Kluth (Aktive Bürger Selb). Mit klaren Worten kritisierte er den politischen Umgang mit dem Spektrum. Der Verwaltung würden regelmäßig Aussagen unterstellt, die bei genauer Betrachtung so nie getroffen worden seien. Vor allem bedauerte Kluth, dass das Kino immer wieder zum Politikum gemacht werde.

Kennzahlenbasiert sei das Spektrum jene Freizeiteinrichtung der Stadt, bei der pro Besucher der geringste Zuschuss anfalle. Immer wieder würden zudem Finanzbudget und betriebswirtschaftliches Ergebnis miteinander vermischt. Für ihn sei deshalb nicht nachvollziehbar, warum regelmäßig ein derart scharfer Ton angeschlagen werde. Stattdessen sprach er sich dafür aus, gemeinsam konstruktiv an der Weiterentwicklung des Kinos zu arbeiten.

Auch Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch stellte sich deutlich hinter das Spektrum. Er erinnerte daran, dass es sich um jene Freizeiteinrichtung der Stadt handle, die das geringste Defizit verursache. Zum Vergleich verwies er auf das Rosenthal-Theater bei einem Budget von über einer Million Euro auf einen deutlich höheren Zuschussbedarf.

Natürlich müsse der Stadtrat alle Einrichtungen kritisch begleiten. Das gelte aber für sämtliche Bereiche gleichermaßen. Gleichzeitig erinnerte Pötzsch daran, dass die CSU bereits bei der Gründung des kommunalen Kinos gegen das Projekt gewesen sei. Diese Haltung sei legitim. Ebenso legitim sei jedoch die demokratische Entscheidung gewesen, das Kino einzurichten. Heute seien viele Bürger, Vereine und Ehrenamtliche froh über dessen Existenz. Das Spektrum sei längst weit mehr als ein Kino geworden und werde von zahlreichen engagierten Menschen getragen. Man müsse die Einrichtung kritisch begleiten, sie aber nicht grundsätzlich infrage stellen.

Wie groß die Unterstützung in der Bürgerschaft inzwischen ist, zeigte sich schließlich auch in der anschließenden Bürgersprechstunde. Martin Heinlein vom Förderverein berichtete unter andere von einer Infostandaktion beim Rehauer Stadtfest. Viele Besucher hätten das Kino ausdrücklich gelobt und dessen positives Image hervorgehoben. Gleichzeitig habe sich gezeigt, dass manche Menschen gar nicht wüssten, dass Selb wieder über ein eigenes Kino verfüge. Das ein Zeichen dafür, dass weitere Öffentlichkeitsarbeit unerlässlich sei. Er betonte außerdem, dass zahlreiche kulturelle Veranstaltungen wie die Grenzland-Filmtage überhaupt erst durch das vorhandene Kino möglich seien.

Auch die Seniorenbeauftragte Dr. Eva Körner fand eindringliche Worte. Für ältere Menschen sei das Spektrum inzwischen kaum mehr wegzudenken. Besonders das gemeinsam entwickelte Kaffeeklatsch-Kino erfreue sich großer Beliebtheit. Sie schilderte zudem ein persönliches Erlebnis: Für ein Klassentreffen habe sie das Kino genutzt. Die Gäste seien von der Qualität der Einrichtung begeistert gewesen und hätten kaum glauben können, dass Selb über eine derartige Location verfüge. Für Körner ist das Spektrum längst ein kulturelles Juwel für alle Generationen. Sie appellierte an Politik und Bürgerschaft, gemeinsam daran zu arbeiten, diese Einrichtung dauerhaft zu erhalten.