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brembeck erkersreuth4.6.2020 – Der Heilige Geist kennt nach biblischem Zeugnis stille und aufbrausende Auftritte, leise und feurige Töne. Immer aber ist das Pfingstgeschehen eine aufregende Begegnung zwischen Mensch und Gott. Aufregend waren auch die musikalischen Stücke des Berliner Organisten Christian Brembeck, der am Pfingstmontag eine musikalische Orgelvesper in der Kirche Zum Guten Hirten in Erkersreuth gestaltete.

Es waren allerlei pfingstliche Werke zu hören, die einerseits der Begeisterung über den Feiertag Ausdruck verliehen, andererseits aber auch der Freude der Gemeinde über das Orgeljubiläum.

So war der Termin für diese Orgelvesper keineswegs zufällig gewählt, wurde doch am Pfingstmontag 1990 vor 30 Jahren die Späth-Orgel für ihren Dienst geweiht. Eigentlich sollte es ein reines Festkonzert geben. Doch aufgrund der Corona-Krise war dies nicht möglich. Doch Not macht erfinderisch. So entschlossen sich Pfarrer Dr. Jürgen Henkel und der international renommierte Berliner Musiker, stattdessen eine Orgelvesper mit Gebeten, biblischen Lesungen und besinnlichen Worten anzubieten. Dies ist erlaubt. Und so kamen mit Mundschutz bewaffnet zu Gottesdienstbedingungen zahlenmäßig passend genau 30 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Mit der Tokkata über „Nun bitten wir den Heiligen Geist“ von Hans-Friedrich Micheelsen (1902-1973) setzte Brembeck einen energischen wie elegischen Auftakt. Immer wieder schimmert hier der bekannte Choral in unterschiedlicher Intensität und Klangfarbe durch. Die Pfingstbitte um den Heiligen Geist kommt in dieser Komposition dezent, sensibel und nachgerade mit zurückhaltendem Temperament zu Gehör. Brembeck schafft es schon hier, Motive meisterlich ohne jede Affekthascherei herauszuspielen, wie es dem norddeutschen Komponisten wohl gefallen hätte. Ein eindringliches Hörerlebnis.

brembeck erkersreuthBarock ging es weiter. Zunächst erklang „Komm, heilger Geist, Herre Gott“ von Dietrich Buxtehude, das sich weich wie wuchtig in den Kirchenraum ergießt. Dann kamen drei Bach-Werke zu Gehör. In dem Choralvorspiel zu dem Gloria-Stück „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ wirkt die Orgel äußerst melodiös, heiter und verspielt. Bei dem „Trio über ‚Herr Jesu Christ, dich zu uns wend‘“ muss die sonore Melodie sich regelrecht wehren und durchsetzen gegen die quasi quasselnde Vielstimmigkeit eines fließenden feinziselierten Klangteppichs aus kapriziösen Begleittönen. Das Stück fordert vom Organisten ein Maximum an Fingerfertigkeit. Getragen, gewaltig und gravitätisch schließlich präsentiert Brembeck das Vorspiel zu „Komm, Gott, Schöpfer, heiliger Geist“. Dreimal Bach – drei völlig verschiedene Klangeindrücke, von Christian Brembeck ausdrucksstark dargeboten.  

Brembeck hatte ein äußerst intensives Pfingstprogramm zusammengestellt, das nicht primär auf Volumen und Laustärke, sondern auf Finesse und Feingefühl, Emotion und Eleganz setzte. Es wurde keine Stunde gefälliger Ohrwürmer, sondern er bot komplexe, charismatische und kunstfertige Stücke, die er mit Esprit und Magie, mit Tiefgang und viel Gefühl hinzauberte und sich dabei als ein wahrer Mystiker der Interpretation erwies. Das wurde auch an den nächsten Stücken deutlich.

Mit „Gammal Fäbodpsalm fran Dalarna“ (Alter Psalm aus Dalarna) des schwedischen Komponisten Oskar Lindberg (1887-1955) leuchtete ein äußerst meditativer Kontrapunkt zu den klassischen barocken Kapriolen Bachs auf. Ein Hauch sinnierende Melancholie und Wehmut durchwirkt dieses fast schwebende Werk. Mit Max Regers „Pfingsten“ folgt gleich die nächste stimmungsvolle Komposition in dieser Pfingstvesper mit Orgelwonnen. Reger schuf hier ein wunderschönes romantisches Klangbild, von Brembeck kongenial auf der Erkersreuther Späth-Orgel wiedergegeben.

Diese erfuhr am Pfingstmontag nicht nur das buchstäblich spielerische Lob des Künstlers aus Berlin. Auch Pfarrer Dr. Jürgen Henkel hatte nur gute Worte für das Instrument übrig. Er hielt fest: „Unsere Orgel begleitet uns beim Lob Gottes und beim Dank, bei der Klage in schweren Zeiten wie jetzt, bei Taufen und Hochzeiten, bei Trauerfeiern und Konfirmationen. Und natürlich bei der Kirchweih. Sie thront oben auf der Empore und führt unsere Lieder, Hymnen und Psalmen nach oben zum Herrn.“

Die Späth-Orgel in Erkersreuth gelte nicht umsonst als eine der besten Konzertorgeln der Region, so der Pfarrer. „Sie begeistert uns mit ihren Klängen und ihrer Musik, sie erheitert und erfreut uns, sie rüttelt uns auf, sie lädt uns ein zum Meditieren, sie flötet uns zu und manchmal brummt sie uns auch an in ihrem tiefen Bass.“ Und wie um dieses Orgel-Lob musikalisch zu unterstreichen, zündet Brembeck am Schluss noch einmal zwei Glanzlichter mit einer Choral-Improvisation und Fuge von Sigfrid Karg-Elert nach Bach-Motiven und einer fulminanten wie feurigen Improvisation, die die Orgel in ihrer ganzen Klangfülle buchstäblich ein endgültiges Ausrufezeichen unter diese Pfingstvesper setzen ließ.

selb-live.de – Presseinfo

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