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kreisverkehr marienplatz selb 1121130.11.2021 – Es war eine der größten Baumaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten in Selb. Der Umbau der Marienplatz-Kreuzung zu einem Kreisverkehr war mit vielen Herausforderungen verbunden. Nach etwas mehr als 15monatiger Bauzeit kann der Straßenverkehr hier ab diesen Donnerstag wieder rollen.

Nein, ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie mehrere Personen symbolisch ein Band durchschneiden, das wird es nicht geben. Und dem aktuellen Wetter ist es geschuldet, dass die Beteiligten am Umbau der Marienplatzkreuzung zum Kreisverkehr sich nicht auch direkt vor Ort, sondern im Rathaussaal trafen, um die Bauzeit Revue passieren zu lassen. „Denn das Thema war und ist uns sehr wichtig“, erklärt Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch. Man wisse nun auch, weshalb man sich Jahre lang auch nicht wirklich an diese notwendige und gesamt rund 4 Millionen Euro teure Baumaßnahme herangetraut habe. „Doch es war mir seit Beginn meiner Amtszeit wichtig, dass unsere Stadteingänge aufgewertet und verbessert werden. Gerade am 

kreisverkehr marienplatz selb 11218Marienplatz bestand dringender Handlungsbedarf, so dass es hier nur eine Möglichkeit gab, da konsequent ranzugehen“, sei er nun stolz über das Erreichte. Noch bevor in der Gesprächsrunde auf die Baumaßnahme überhaupt weiter eingegangen wurde, hatte der Rathauschef ein großes Anliegen: Der Dank an die Bevölkerung, die die Umstände mitgemacht habe, „Chapeau!“ Besonderer Dank gelte zudem den unmittelbaren Anliegern, die Lärm, Dreck und Vibrationen haben ertragen müssen, jedoch auch Verständnis gezeigt hätten. Und schließlich würdigte Pötzsch das gute Zusammenspiel aller Projektbeteiligter, angefangen von der Bauverwaltung der Stadt Selb, der Regierung von Oberfranken, dem Staatlichen Bauamt Bayreuth sowie den Versorgungsträgern ESM, AWS und der Telekom. Stets sei sich gut abgestimmt worden, um sich den besonderen Herausforderungen zu stellen. „Dabei herausgekommen ist ein herausragendes Ergebnis!“

Es war in der Tat schon deutlich mehr als nur ein bisschen Kreisverkehr. Der Marienplatz hatte viel mehr Herausforderungen, um aus der einstigen Kreuzung einen Kreisverkehr zu machen. Die Dimensionen der Bauarbeiten waren enorm, sowohl über als auch unter der Erde. Gerade was unter dem Marienplatz zu finden ist, das war mit vielen Fragezeichen versehen. „Genaue Daten lagen nicht vor“, wie Selbs Baudirektor Helmut Resch erklärte. Die alten Leitungen und Rohre lagen kreuz und quer. Niemand wusste genau, was sich unter der Oberfläche finden würde. Die Lage des alten Bachlaufes war ebenso nicht im Detail bekannt. Ein Grund, weshalb man sich auch nie an den Marienplatz heranwagen wollte, auch wenn es in der langjährigen Amtszeit des Bauamtsleiters kreisverkehr marienplatz selb 11213immer wieder mal zum Thema wurde. An einstige Berechnungen von 800.000 Mark kann sich da Resch noch erinnern, doch entweder man wollte oder konnte auch aus finanziellen Gründen nicht.

Der Umbau des Marienplatz war nun eine von insgesamt elf investiven Maßnahmen im Rahmen der Bayerisch-Tschechischen Freundschaftswochen 2023. Ein Projekt, das auch von der Bevölkerung priorisiert wurde, war der Verkehrsknotenpunkt, den täglich bis zu 11.000 Fahrzeuge passierten, häufig moniert worden. Das ermöglichte nun Fördermittel in Höhe von 90 Prozent auf die förderfähigen Kosten.

Über das Stadtbauamt durch Martin Huhnt wurde die Baumaßnahme mit allen Beteiligten koordiniert. Schon als man bei den Vorplanungen ins Detail ging, zeichnete es sich ab, dass es wohl komplizierter werden wird, als man es sich ursprünglich vorgestellt hatte. Das zum einen, was den Untergrund betrifft, aber auch habe man es sich zur Aufgabe macht, beim Thema Mobilität einen Schritt weiter zu kommen. Zu einem zukünftigen innerstädtischen Netz wurde die Thematik Fußgänger und vor allem Radfahrer zugleich mit eingebunden.

Losgelegt wurde mit den Baumaßnahmen am 17. August vergangenen Jahres. Und da war zunächst die ESM/AWS am Zug. Wie Klaus Burkhardt, Geschäftsführer der Energieversorgung Selb-Marktredwitz (ESM) und Werkleiter der Abwasserbetriebe Selb (AWS) sagt, habe man sich beim Marienplatz als Herzkammer der Selber Ver- und Entsorgung einigen Problemen stellen müssen. Lieferschwierigkeiten, die Auswirkungen der Corona-Pandemie, Überraschungen im Untergrund. Beton-Sonderbauwerke waren vonnöten. Diese mussten speziell für diese Baumaßnahme angefertigt werden. Zeitliche Verzögerungen im Bauablauf habe man so hinnehmen müssen, was wiederum Auswirkungen auf die Maßnahmen der ESM und natürlich dann auf den eigentlichen Straßenbau hatte. Die bautechnische Herausforderung sei ohnehin enorm gewesen, denn unter dem Marienplatz laufen alle Abwasserleitungen der Stadt zusammen. Bei laufendem Betrieb habe man umbauen müssen. „Trotz allem, es war zwar nicht immer einfach, doch aufgrund der guten Zusammenarbeit aller kann ich sagen, dass mir diese Maßnahme auch Spaß gemacht hat“, meint Burkhardt heute rückblickend.

kreisverkehr marienplatz selb 11217Im August diesen Jahres waren die Arbeiten (technische Details untenstehend) seitens der ESM/AWS, die dabei insgesamt rund 2,5 Mio. Euro investiert haben, abgeschlossen. Erst jetzt konnte mit dem Straßenbau begonnen werden. Und hierzu gehörte auf einer Gesamtfläche von etwas mehr als 3.000 Quadratmeter der gesamte Straßenaufbau und Straßenkörper samt Unterbau, Frostschutz, Trag- und Deckschicht und dem eigentlichen Rondell sowie die Randsteine und Fußgängerwege. „Diese Arbeiten sind sehr gut gelaufen“, lobt Martin Huhnt die Durchführung seitens des Bauunternehmens VSTR. Noch anstehen wird die Gestaltung der Mitte. „Hier werden wir mit einer ganzjährigen Bepflanzung einen besonderen Willkommensgruß erstellen“, erklärt Pötzsch.

Ab diesen Donnerstag kann der Verkehr nun über den neuen Kreisverkehr rollen. Und da auch die dringend notwendigen Sanierungsmaßnahme in der Weißenbacher Straße, einschließlich vorbereitenden Maßnahmen zum Bau einer Lichtsignalanlage an der ALDI-Kreuzung (Umsetzung soll im Jahr 2022 erfolgen), abgeschlossen werden konnte, besteht dann aus westlicher Richtung wieder freie Fahrt in Richtung Innenstadt. „Da müssen wir uns wohl erst wieder alle daran gewöhnen, doch eine Extra-Runde im Kreisverkehr ist natürlich erlaubt, um die richtige Ausfahrt zu finden“, scherzt Pötzsch.

 

Technische Daten zur Baumaßnahme seitens der EMS/AWS

ESM

Erneuerung 1.500m Niederspannungskabel, 150m Mittelspannungskabel und 450m Leerrohre

Stromstation „Alter Bauhof“ aufgelöst und Stromstation „Marienplatz“ erweitert

Erneuerung Trinkwasserleitung Zone 2 (große Zubringerleitung vom Hochbehälter 2.000), Nennweite da 250 / da 180, Länge ca. 230m, Einbindungen in Vielitzer Straße, Heinestraße, Mühlstraße und Papiermühlweg

Erneuerung Trinkwasserleitung Zone 3, Nennweite da 125, Länge ca. 220m, Einbindungen in Vielitzer Straße, Weißenbacher Straße, Marienstraße, Mühlstraße und Papiermühlweg

Erneuerung von 3 Trinkwasser-Hausanschlüssen

Gasleitung Niederdruck, Nennweite da 180, Länge ca. 260m, Einbindungen in Vielitzer Straße, Heinestraße, Weißenbacher Straße, Marienstraße, Mühlstraße und Papiermühlweg

Erneuerung von 2 Erdgas-Hausanschlüssen und 1 Erdgas-Neuanschluss

Die Leitungen wurden in einer neuen Trasse zu den bestehenden Leitungen verlegt und direkt umgebunden (ohne Ersatzversorgung). Dies setzte eine sehr enge Abstimmung zwischen der bauausführenden Firma und den verschiedenen Spartenträgern voraus.

Die Kosten für die ESM belaufen sich auf ca. 300.000 Euro.

 

AWS

250m Erneuerung Mischwasserkanalisation mit 4 Sonderbauwerken und 5 Schachtbauwerken

Vorwiegend sog. „Maulprofile“ mit Dimensionen bis 2400/1500 Stahlbeton

Sonderbauwerke mit Größen bis zu 3,80m auf 5,90m, Gewicht ca. 62to

Im Zuge Neuordnung Marienplatz zusätzlicher Regenwasserkanal mit 5 Schachtbauwerken

Für die Erneuerung und Erweiterung der Kanalisation wird rund 4.000m³ Erdreich bewegt

Fertigstellung Mitte August 2021

Gesamtkosten Kanal: 2,2 Mio. Euro

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selb-live.de - Michael Sporer

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